In Friedrichshafen wurde ein Afrikaner von einem Fascho-Skin erstochen
In Friedrichshafen wurde ein Afrikaner von einem Fascho-Skin erstochen In der Nacht vom 15.Juni auf 16.Juni wurde vor der Friedrichshafener Kneipe „Bleitreu" der Afrikaner Agostinho von einem ortsansässigen Fascho-Skin erstochen. Der Ermordete hinterlässt eine Frau mit 3 Kindern .
Die Kneipe ist seit ungefähr anderthalb Jahren Treffpunkt der Fascho-Skin und ihren Mitläufern. Vorher war die Kneipe ein Treffpunkt der Alternativen Szene in Friedrichshafen. Diese ließ sich durch die Fascho-Skins teilweise verdrängen. Die Anwesenheit der Fascho-Skins wurde ohne große Gegenwehr hingenommen. Der Besitzer erklärte dem Anti-Fa Bündnis Friedrichshafen, er wäre nicht in der Lage, den Fascho-Skins das Betreten der Kneipe zu verbieten. Bis zu dem Zeitpunkt des Mordes hatte sich die Situation auch wieder beruhigt.
Zurück zum Ort und Abend des Geschehens. Am 15. Juni, nachts, kam es in der Kneipe „Bleibtreu“ zwischen dem Afrikaner Agostinho und dem Fascho-Skin zu einem Streit. Draufhin verließen die beiden die Kneipe und gingen in Richtung von einigen in der Nähe gelegenen Garagen. Nach kurzer Zeit folgten den beiden mehrere Personen. Da kam der Afrikaner jedoch auch schon wieder zurück und brach vor der Kneipe zusammen. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Nach dem hinterhältigen und feigen Mord verließ der Fascho-Skin fluchtartig den Ort des Geschehens, um sich später in Begleitung seiner Eltern der Polizei zu stellen.
Der Täter ist als Fascho-Skin in Friedrichshafen bekannt. Er ist vorbestraft wegen schwerer Körperverletzung und Sachschaden. Auch beim Überfall auf das Jugendhaus in Ravensburg im Jahr 1989 war er dabei. Es existiert ein Photo von ihm, auf dem er als Ordner bei einer DVU-Veranstaltung in Friedrichshafen zu sehen ist.
Polizei und Medien versuchen den Mord als Sufftat herunterzuspielen und nebenbei dem Afrikaner noch was anzuhängen, um den Skin zu entlasten; Agostinho und der Fascho-Skin hätten bei der Tatzeit unter starkem Alkohol-Einfluß gestanden, so die „Schwäbische Zeitung". Der Afrikaner sei sehr aggressiv gewesen. Er habe schon mehrere Wochen unter polizeilicher Beobachtung gestanden. Seine Ehe wäre auch nicht die Beste gewesen, hetzte die Polizei in Friedrichshafen. Am Montag hatte das Anti-Fa Bündnis Friedrichshafen mehrere Organisationen telefonisch benachrichtigt und für den gleichen Abend zu einem Treffen eingeladen. Für den darauf folgenden Samstag wurde ein Trauermarsch organisiert. Er stand unter der Parole „Wir trauern um AGOSTINHO“, „Für Völkerfrendschaft gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit". In einem Flugblatt des „Arbeitskreis Antifa-Teestube Baghiera im Juze Molke“ heißt es zu den Gründen für die Demonstration u.a.: „Dieser Trauermarsch findet statt, um unsere Betroffenheit und unsere Solidarität auf die Straße zu tragen, aber auch um ein deutliches Zeichen zu setzen, daß wir es nicht hinnehmen werden, wenn Nazi-Schlägertrupps und braune Horden durch die Straßen ziehen und Angst und Terror verbreiten. . . Getroffen hat es Agostinho. Aber gemeint war nicht er als Mensch, sondern er stellvertretend für alle farbigen Menschen und Ausländerinnen. Ihnen unsere ganze Solidarität!“
Der Trauermarsch begann am Buchhornplatz und führte dann zum Tatort. Dort hielt ein Redner des Anti-Fa Friedrichshafen eine kurze Rede hielt um noch einmal auf die abscheuliche Tat und deren Hintergründe hinzuweisen. Dann ging es zum Konrad-AdenauerPlatz, wo die Abschlußkundgebung stattfand.
Am Tatort kam es zu einem Zwischenfall. Faschisten versuchten, die Kundgebung zu stören. Etwa 200 Meter von den Demonstranten entfernt, auf einer Straßenüberführung hoben sie die Hände zum Hitlergruß und skandierten „Ausländer raus“. Von Teilnehmer an dem Trauermarsch wurde die Polizei zum Eingreifen aufgefordert. Als sie dieser Aufforderung nicht nachkam, wurden die Faschisten in die Flucht geschlagen. Nach diesem Zwischenfall zog der Trauermarsch geschlossen zur Abschlußkundgebung auf den KonradAdenauer-Platz.
Der Mord an den Afrikaner Agostinho wird dem OB Widmann von Friedrichshafen einige Kopfschmerzen bereiten. Vorjahren hatte er nämlich seine Unterschrift unter ein Schreiben verweigert. das die Städte in Oberschwaben verpflichtete. in Zukunft keiner faschistischen und rassistischen oder ausländerfeindlichen Partei oder Gruppe öffentliche Räume mehr zur Verfügung zu stellen. Sein Argument: In Friedrichshafen würde es keine Ausländerfeindlichkeit gegen. — (jük/jüg)