Heft 14 vom 11.07.1991 3/14 scan 2026-05-29

Rassistisch motivierter Mord an Angolaner in Friedrichshafen



Rassistisch motivierter Mord an Angolaner in Friedrichshafen

Friedrichshafen. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni erstach ein 18-jähriger Deutscher den Angolaner Agostinho. Der Täter, er ist der örtlichen SkinheadSzene zuzurechnen, und das Opfer waren in einer Friedrichshafener Kneipe, die stark von Rechten frequentiert wird, in Streit geraten. Sie verließen das Lokal und gingen in Richtung einiger Garagen in der Nähe, wo der Deutsche auf den Angolaner einstach. Ein herbeigerufener Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Der Skinhead flüchtete nach dem Mord, um sich später in Begleitung seiner Eltern der Polizei zu stellen. Der Täter ist wegen schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung vorbestraft, hatte sich im vergangenen Jahr an einem Überfall auf das Ravensburger Jugendhaus beteiligt und wurde auch schon als Ordner auf DVU-Veranstaltungen in Friedrichshafen beobachtet. Trotzdem versuchen Polizei und örtliche Medien den Mord an dem Angolaner, der Frau und drei Kinder hinterläßt, herunterzuspielen und ihm nebenbei noch etwas anzuhängen, um den deutschen Täter zu entlasten; Agostinho und der Skin hätten zur Tatzeit unter starkem Alkohol-Einfluß gestanden, so die „Schwäbische Zeitung“. Der Afrikaner sei außerdem als aggressiv einzustufen gewesen und habe schon mehrere Wochen unter polizeilicher Beobachtung gestanden. Auch seine Ehe sei nicht die beste gewesen, hetzte die Polizei. An einem Trauermarsch, zu dem das Antifa-Bündnis Friedrichshafen aufgerufen hatte, beteiligten sich eine Woche nach der Tat 300 Leute. Sie demonstrierten „Für Völkerfreundschaft gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit". — (jüg)

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