Heft 14 vom 11.07.1991 3/14 scan 2026-05-29

Propagandaausstellung: BRD als "Partner der 3. Welt"

"Ausstellung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit"


Propagandaausteilung: BRD als „Partner der 3. Welt“

„Ausstellung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit“

Vom 2. bis 14. Juli 1991 ist die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) erstellte Wanderausstellung im Konstanzer BodenseeNaturkundemuseum zu sehen. Zu Beginn der Ausstellung wird dargestellt, wie so ein Entwicklungshilfeprojekt abläuft. Danach kann sich der Besucher einige Projekte sowie plastische Modelle zu Gemüte führen. Im einzelnen werden die Stadtsanierung in Bhaktapur (Nepal), Solaranlagen zur Stromerzeugung in einem senegalesischen Dorf, der Bau einer Asphaltstraße im Jemen, ländliche Regionalentwicklung auf den Kapverden, Erosionsschutz in Kolumbien sowie „Naturwaldbewirtschaftung auf den Philippinen, ein erfolgreiches Beispiel,, gezeigt. Globalere Themen sind der Drogenanbau, die Regenwaldabholzung und die Ausbreitung der Wüsten.

Die einzelnen Themen und Projektdarstellungen sind mit vielen großen bunten Bildern illustriert und sparsam mit Text versehen. Zu jeder einzelnen Entwicklungshilfemaßnahme gibt es jeweils ein positives Zitat von Einheimischen. Nehmen wir z.B. Bhara, 46, Handwerker aus Bhaktapur: „Unsere Stadt zerfiel immer mehr. Vor allem gab es kein sauberes Trinkwasser, keine Kanalisation, keine Abfallbeseitigung, aber auch kaum Straßen zu wenig Wohnungen und zu wenig Arbeit. Das alles ist heute anders. Weil die Deutschen bei der Stadtsanierung geholfen haben.“ Ökologische Gesichtspunkte werden, wo immer möglich, betont. In einem Videofilm werden noch Projekte in Peru, Thailand und Mali gezeigt.

Die gezeigten Projekte mögen sogar ganz nett sein — was ich mangels näherer Sachkenntnis weder bestätigen noch widerlegen kann. Einige Mühe wird der gefälligen Präsentation gewidmet, und auch Sprüche wie „Partner der Dritten Welt“ oder „Die Welt gehört allen" (von Sun-Yat Sen, dem Führer der Chinesischen Revolution von 1911) laufen gut ins Ohr. Aber ein sensibler Betrachter — selbst ohne große Sachkenntnis — wird wohl feststellen müssen, daß dies eine reine Propagandaausstellung ist, sei es daß sich das BMZ oder einige Politiker wie z.B. Repnik (CDU-Bundestagsabgeordneter aus Markelfingen) oder Bürgermeister Hansen profilieren wollen. Eine auch nur irgendwie geartete selbstkritische Reflexion der staatlichen Entwicklungshilfe oder der BRD-Politik zum Trikont findet nicht statt. Im Selbstverständnis der Ausstellung beweihräuchert sich die BRD ständig als Partner. Aber was ist das für eine Partnerschaft, die Beziehungsprobleme wie die für den Trikont ungerechte Weltwirtschaftsordnung, den Waffenexport, die neoimperialistische Einmischung und das koloniale Erbe noch nicht einmal rudimentär thematisiert?

Obwohl ein Bestreben erkennbar ist, die Texte zu der Ausstellung von allen kolonialen und besserwisserischen Aussagen zu reinigen schimmert doch in einigen Behauptungen die westliche kapitalistische Ideologie durch. Dazu zwei Beispiele:

1. Zitat zu Schwarzafrika: „Das Ende der Kolonialherrschaft hinterließ in vielen Ländern Instabilität: Wechselnde, einander bekämpfende Machteliten, Rassen- und Stammeskonflikte bestimmen noch nach wie vor die politische Landschaft Schwarzafrikas. Private Investoren haben sich aus dem Markt zurückgezogen.“

2. Zitat zur Regenwaldabholzung: „Wie können tropische Regenwälder gerettet werden? . . . Der Wald muß als lebendes Ökosystem ertragreicher sein als die gerodete Fläche — sonst wird er rücksichtslos abgeholzt."

Man sieht: Für alle Problem hat der Kapitalismus eine „Lösung“, nämlich mehr Kapitalismus. Daß die allen anderen Kulturen überlege Brutalität des Kapitalismus Hauptursache des Elends in vielen Trikontländern ist, wird geflissentlich übersehen und muß wohl übersehen werden.

Wer mehr wissen möchte, kann sich noch mit BMZ-Broschüren eindecken. Dort kann man dann einige knochenharte Aussagen finden wie z.B. über den zionistischen Siedlerstaat: „Den Lebens-, Freiheits- und Sicherheitsinteressen Israels gelten weiter unser Interesse und unsere Sorgen.“

Selbst wo mal — was selten genug geschieht — Forderungen der „Entwicklungsländer“ dargestellt werden ist immer noch westliche Bevormundung und Rechthaberei das Maß aller Dinge: „Die Entwicklungsländer wollen ihre Position in der Weltwirtschaft gegenüber den Industrieländern verbessern. Diese Haltung verfestigt sich auf verschiedenen internationalen Konferenzen. Weil sich die Entwicklungsländer durch die gegenwärtige Weltwirtschaftsordnung benachteiligt sehen (Hervorhebung d. Verf.) fordern oie eine neue WeltwirtschaKsordnung . " —'(anw)

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