Saisonarbeit in der Erdbeerernte
Saisonarbeit in der Erdbeerernte
Bei der Erdbeerernte werden für wenige Wochen Arbeiterinnen und Arbeiter aus Jugoslawien, Polen und der Tschechoslowakei eingesetzt. Grundlage für die Anheuerung ausländischer Arbeitskräfte für die Erntezeit ist die mit Jahreswechsel in Kraft getretene Verordnung für Saisonarbeit (wir haben darüber schon mehrfach berichtet), wo die kurzfristige Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften in der Landwirtschaft und im Gaststättengewerbe bis zu drei Monate geregelt wird. In den ersten Monates des Jahres waren dann zwischen der Bundesregierung und den Regierungen der genannten Länder entsprechende Abkommen geschlossen worden. Tarifliche oder sozialgesetzliche Bindungen gelten nicht für diese über das Arbeitsamt vermittelten Arbeitskräfte.
Allein in der Gemeinde Malsch bei Karlsruhe sind über 300 Saisonarbeitskräfte aus Jugoslawien, Polen und der CSFR im Einsatz. Gegenüber der Karlsruher Zeitung BNN gaben die Plantagenbesitzer an, daß sie die Ernte nur mit ausländischen Arbeiterinnen und Arbeitern bestreiten. Unterkünfte werden ihnen selten zur Verfügung gestellt. Sie müssen in Zelten auf dem Feld direkt neben der Bundesstraße 3 oder der Bundesautobahn Richtung Basel kampieren: Toiletten, Waschanlagen, Kochstellen — alles notdürftig. „Kleine Zeltstädte sind an den großen Erdbeerplantagen entstanden", so der Kommentar der BNN.
Die Pflückerinnen und Pflücker arbeiten im Akkord. Fünf Uhr morgens ist Arbeitsbeginn, viele sind aber schon früher auf den Feldern. Sie bekommen für 10 Pfund gepflückte Erdbeeren 5 DM. Die Plantagenbesitzer kürzen den Lohn um 2 DM bis 3 DM, wenn zuviele nicht voll gereifte Erdbeeren dabei sind. Ganz nach Herrenart ein Plantagenbesitzer unkommentiert in der BNN: Im Umgang mit den Pflückern benötigt ein Erdbeerlieferant solche Lohnkürzungen als „Zuckerbrot und Peitsche“. Weiter dürften die Kontrolleure für die Pflückleistung nie dieselbe Nationalität wie die Pflücker haben, um „Korruption“ zu unterbinden. Wie auf dem Viehmarkt urteilen die Erdbeerplantagenbesitzer: Die Jugoslawen seien „wusselig“, Ehepaare seien als „ruhige Arbeiter“ jungen Männern vorziehen.
Diese Arbeitsbedingungen vollziehen sich unter der Kontrolle des Arbeitsamtes und der Ausländerpolizei. Die Saisonarbeitskräfte müssen einen Ausweis mit ihrer Arbeitserlaubnis tragen. Nach illegal Beschäftigten fanden Kontrolleure des Arbeitsamtes. Quellenhinweis. fl/V.V vom 13 6. und 10.7 — (rub)