Heft 16 vom 08.08.1991 3/16 scan 2026-05-29

ERNK: Zur Entführung deutscher Touristen



ERNK: Zur Entführung deutscher Touristen

Die Sprecher der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) gaben am 6.8.91 folgende Erklärung ab, die wir in den wichtigsten Auszügen veröffentlichen:

... Die ARGK (Volksbefreiungsarmee Kurdistans)-Kommandantur der Zentral-Region, die das Gebiet um Diyarbakir, Mus und Bingöl umfaßt, erklärte unserem Vertreter, daß die Entführung der deutschen Touristen ohne Kenntnis der Zentrale seitens einer regional operierenden Gruppe verwirklicht wurde. Die sich in der 5. Provinz der Zentral-Region befindende Gruppe hat diese Aktion ohne Kenntnisnahme und Zustimmung der Zentrale aus eigener Initiative heraus durchgeführt. Die besagte regionale Gruppe habe mit dieser Aktion folgendes zu bezwecken versucht:

a) gegen das Massaker vom 10. Juli in Diyarbakir zu protestieren,

b) das Augenmerk der internationalen Öffentlichkeit auf die Massaker der Türkischen Republik in Kurdistan zu lenken und

c) die Tourismuswelle in die Türkei zu boykottieren.

Die Führung der ARGK-Zentralregion hat die Gruppe, die ohne in Kenntnissetzen dieser die Aktion verwirklicht hat, zurechtgewiesen, die Lage unter Kontrolle gebracht und für die Gewährleistung der absoluten Sicherheit der Touristen gesorgt. Weder die PKK noch die ERNK bekennen sich zu der Aktion oder billigen diese. Genau deswegen wurde sofort Initiative ergriffen. Ab sofort ist die Sicherheit dieser Menschen garantiert. . . . Falls die türkischen Militärkräfte dies nicht behindern, so wird dies in wenigen Tagen verwirklicht werden können.

Diesen Punkt möchten wir heraushebend betonen. Die türkische Armee befindet sich umsonst in einem Massenaufmarsch. Die türkische Armee muß sich von dem Einmarsch weiterer Militäreinheiten in die Region lossagen und den sofortigen Stopp der Operation veranlassen. Denn die Region, in der sich der Vorfall abspielt, ist eine Region, die von der Macht und Autorität der Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) beherrscht wird . . .

Darüberhinaus ist diese Aktion, trotz Verzerren des türkischen Staates und Behauptungen in keinstem Zusammenhang mit den „PKK-Prozessen in der BRD" zu sehen. Bis jetzt wurden keinerlei Aktionen in dieser Richtung durchgeführt. Bei unseren Aktionen haben wir uns niemals die Zivilbevölkerung zum Ziel gesetzt. Diese Aktion, die ohne Wissen unserer Zentrale durchgeführt wurde und die sie nicht billigt, ist nicht auf das deutsche Volk gerichtet.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.