Heft 17 vom 22.08.1991 3/17 scan 2026-05-29

Faschistenaufmarsch in Bayreuth Ehrentreffen für einen Mörder



Faschistenaufmarsch in Bayreuth Ehrentreffen für einen Mörder

Etwa 1500 Faschistinnen trafen sich am 17. August in Bayreuth, um am 4. Todestag den Mörder Rudolf Hess als „Märtyrer“ zu feiern. Zu einer Gegendemonstration kamen etwa 2500 bis 3000 Menschen, die meisten davon Autonome. Nachdem sowohl die Faschisten als auch die Gegendemonstration in Wunsiedel, wo Hess begraben ist, verboten wurde, demonstrierten die Nazis in Bayreuth gegen dieses Verbot vor dem zuständigen Gericht. Daraufhin beschlossen auch die Antifaschistinnen, in dieser Stadt zu demonstrieren. Das Faschistenpack aus Konstanz und Umgebung wurde vom Busunternehmen Maier aus Singen nach Bayreuth gebracht. Diesem Unternehmen ist es offensichtlich egal, wenn die Busfenster mit Reichskriegsfahne „dekoriert" werden, und die Fahrgäste kollektiv den Arm zum Hitlergruß heben. Eine besondere Dekoration hatte sich auch die Mannschaft eines Polizeiautos ausgedacht. Das Rückfenster des Wagens war mit der Fahne der amerikanischen Südstaaten verhängt. Diese Fahne wird gerne von Rassistinnen benutzt, auch Skins schmücken sich öfter damit. Schon vor Beginn der Gegendemonstration wurden drei Antifaschisten von acht Faschisten überfallen. Sie mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Nach dieser Erfahrung weigerten sich die Demonstrantinnen, sich nach dem Ende der Demonstration zu trennen. Es wurde beschlossen, auf einem Parkplatz zu bleiben, bis die in der Stadt geparkten Busse und Autos sicher dorthin gebracht werden konnten. Bei Angriffen von Polizisten gab es mehrere Verletzte. In Wunsiedel und Bayreuth gab es mehr als 130 Verhaftungen. — (db)

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