Geschäftsführung der Firma Ravensberg: Keine Verhandlungen ...
Geschäftsführung der Firma Ravensberg: Keine Verhandlungen...
Konstanz. Für die Industriegewerkschaft Chemie und den Betriebsrat der Firma Ravensberg sind die Verhandlungen mit Geschäftsführer Rolf Legeier gescheitert. Nachdem im August eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Mannheim rechtskräftig wurde, durch die der Firma Ravensberg die Produktion auf nicht genehmigten Anlagen und nach nicht genehmigten Verfahren verboten wurde, kündigte Lägeler an, daß dies nachteilige Folgen auf die Anzahl der Mitarbeiterinnen haben werde.
Seither versucht die IG-Chemie und der Betriebsrat mit Lägeler über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu verhandeln. Läger erscheint nicht zu den vereinbarten Terminen. „Wir sind doch keine Pausenclowns" begründet Thorsten Falk von der IGChemie, warum er nach einer halben Stunde warten am 10. September wieder ging. Ravensberg ist einer von den Betrieben, bei denen die Gesellschafterinnen nur verdienen möchten. Investiert wird nichts, ein ständiger Personalabbau ist die Folge. Wo 1969 noch 300 Menschen ihren Lebensunterhalt verdienten, arbeiten heute noch 28 oder 29. Die genaue Zahl kann selbst die Betriebsratsvorsitzende Luise Geng nicht nennen, denn die Arbeitsbedingungen führen zu einem ständigen Wechsel in der Belegschaft, Fachkräfte gibt es kaum noch.
Neben unzumutbaren Arbeitsbedingungen, „aus den Produktionsanlagen könnte man ein Museum machen“ sagt ein „Insider", klagen die Beschäftigten über die schleppende Bezahlung. „Das Entgeld für letzten Monat ist bis heute noch nicht auf dem Konto" sagte Ging. Zum Monatsanfang wird eine Pauschale von 200 bis 300 Mark überwiesen. „Das reicht noch nicht mal für die Miete" stellt Luise Ging fest. Auf den Rest können die Beschäftigten warten und kräftig Bankzinsen, zahlen, weil ihre Kosten zum ersten des Monats abgebucht werden.
In seinem Geschäftsbericht verkündete Lägeler, er habe „die Ziele erreicht". Nach dem Produktionsverbot stellt die Firma nur noch einige Medikamente her. Forschung wird nicht betrieben, es gibt keine ArtzvertreterInnen und keine Werbung, die Produkte sind alle ohne Rezept erhältlich. Nur wer fragt danach in den Apotheken, wenn keinerlei Werbung gemacht wird?
Woher der Zuwachs kommen soll, der die Firma allein durch die Produktion der Medikamente aufrecht erhält, ist das Geheimnis des Rolf Lägeler.
Einer Einigung mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft widersetzt sich Lägeler mit den albernsten Mitteln. Der vom Betriebsrat beauftragte Rechtsanwalt mußte als „Betriebsfremder“ eine Betriebsversammlung verlassen. Dieser wird jetzt vom Arbeitsgericht feststellen lassen, daß er berechtigt ist, an solchen Versammlungen teilzunehmen. Einerseits klagt Lägeler darüber, daß der Betriebsrat sich „teure Hilfe“ sucht, andererseits ist zu keinerlei Verhandlungen bereit.
Letztes Jahr sollte ein neuer Haustarifvertrag für die Firma Ravensberg abgeschlossen werden, es kam zu keinen Verhandlungen. Die aufgebrachte Belegschaft wurde mit fünf Prozent mehr Weihnachtsgeld beruhigt. Die IG-Chemie hat den Tarifvertrag zum 31. Juli 1991 gekündigt. Verhandlungen über einen neuen Vertrag mit Rolf Lägeler sind nicht in Sicht. — (db)