Faschistenterror im Raum Konstanz
Faschistenterror im Raum Konstanz
Die Medien sind derzeit voll von Meldungen über faschistische Anschläge auf Flüchtlingswohnheime. Prügelszenen zwischen rechtsradikalen Skinheads und linken Gruppierungen gehören mittlerweile zum neuen deutschen Alltag. Doch wenn mensch glaubt, Faschistenterror äußere sich nur in der Ex-DDR oder den Metropolen, so irrt er/sie gewaltig. Gerade im Raum Konstanz häufen sich faschistische Übergriffe auf Jugendliche.
Schon in der Vergangenheit war es desöfteren zu Angriffen der Rechtsradikalen gekommen, doch in den letzten Wochen starteten die Faschoschläger eine Gewaltwelle, deren Ende nicht abzusehen ist. Zielgruppe der Faschos sind meist jünger aussehende Jugendliche, Schülerinnen, welche sie anhand ihrer Kleidung oder Haare der linken Szene zuordnen. Opfer wurde jüngst ein 17jähriger, als er am 12.9. an der Bushaltestelle an der Cherisy-Kaserne zusammengeschlagen wurde. Platzwunden an Nase und Oberlippe mußten genäht werden.
Nur drei Tage später, in der Nacht zum Samstag, den 15.9., überfielen 20 bis 30, zum Teil auswärtige, teils stadtbekannte Faschisten ein Fest mehrerer Jugendlicher in Dettingen. In faschistenüblicher Manier griffen sich die Schläger, mit Schlagwaffen und Gassprays ausgerüstet, hauptsächlich schwächer und jünger aussehende Menschen. Selbst das Eintreffen der Polizei konnte den Dettinger Faschisten Thomas Hofer nicht daran hindern, einem Festteilnehmer ins Gesicht zu treten.
Mehrere Jugendliche, darunter auch einige Skins, mußten im Krankenhaus behandelt werden.
Die Herren von der Polizei reagierten bullentypisch, indem sie das Ganze nicht als faschistischen Übergriff werteten, sondern als normale Schlägerei abtaten; die Opfer aufgrund ihres Äußeren der Mitschuld bezichtigten.
Viele des rechtsextremistischen Mob sind keine Unbekannten. Gunnar Senger (Konstanz) schlägerte Seite an Seite mit seinem Kameraden Sven Schöller (Wallhausen) und dem seit einem mißglückten Bombenbauversuch erblindeten Andreas Saur, welcher u.a. als Beisitzer im Bundesvorstand der „Deutschen Reichsjugend" aktiv ist.
Am Montag, den 17.9., verprügelten Faschisten einen 15jährigen Schüler auf dem Nachhauseweg von der Schule. Dieser erlitt Prellungen im Gesicht und Unterleib. Nächstes Opfer wurde kurz darauf (am 20.9.) eine Punkerin. die auf der Döbelemesse von einer’ Faschistin zusammengeschlagen wurde. Auch sie mußte wegen starker Prellungen und einem Schädelriß mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.
Die sich häufenden Fascho-Angriffe schafften Panik unter vielen Jugendlichen. Einige gingen von einem schlagkräftigen Auftreten der Faschisten am darauffolgenden Samstag aus. Gerüchte verlauteten, Skins aus Dresden würden anreisen, um „Linke zu klatschen"; Informationen zufolge sollte u.a. ein Jugendtreff Ziel von Gewaltaktionen werden. Daher trafen sich viele Jugendliche am 22.9. in der Konstanzer Innenstadt, um einen eventuellen Übergriff der Faschisten abzuwehren. Am frühen Abend wurden dann auch auf der Döbelemesse einige wenige Nazis gesichtet, welche sogleich flüchteten und in einem weißen Golf-Cabrio (KN-HP 55), gefahren vom einschlägig bekannten Andre Herbon, das Weite suchten. Sie ließen es sich jedoch nicht nehmen. „rot-grün verrecke" aus dem fahrenden Auto zu grölen. Mehrere Gerüchte über Fascho-Präsenz konnten im Laufe des Abends nicht bestätigt werden.
Allerdings wurde ein 15jähriger Schüler auf der Stephansdisco von einem italienischen Faschisten aus der Schweiz bedroht. Dies sollte der Auftakt einer Terrorwelle sein, die mehrere Schweizer Italo-Faschos, nach eigenen Angaben mit deutschen Skins befreundet, auf den Jugendlichen seither ausüben.
Am Sonntag, den 22.9., wurde der Schüler von mehreren Nazis in der Stadt zusammengeschlagen. Ein Rippenbogen ist angebrochen, der Kiefer verrenkt. Acht Typen wollten den 15jährigen nur einen Tag später vor seiner Schule abpassen, welcher das Gebäude jedoch schon früher verlassen hatte. Am Dienstag, den 24.9., waren zwei andere Italo-Faschos erfolgreicher. Sie paßten ihn mit einem Motorrad (Schaffhauser Kennzeichen) kurz vor seiner Wohnung ab, schlugen ihm ins Gesicht und ritzten ihm mit einer Rasierklinge ein Kreuz in die Backe.
Die Faschisten sind über ihn bestens informiert. Sie kennen seinen Wohnort, seine Schule, seine Telefonnummer. Der Schüler erhielt in den folgenden Tagen mehrere Drohanrufe, in welchen die Faschos den 3.10. als denTag proklamierten, an dem er „sowieso nicht mehr auf der Matte stehen“ würde. Außerdem kündigten sie Überfälle auf Flüchtlingswohnheime in Kreuzlingen und Konstanz an.
Inwieweit solche Drohgebärden ernstzunehmen sind, läßt sich nicht abschätzen. Klar ist jedoch, daß mensch nicht so lange tatenlos zusehen kann, bis hier Dresdner Verhältnisse herrschen. Dort kann mensch bekanntlich als „links Aussehende(r)“ oder nicht Deutschstämmige(r) kaum ohne ausreichende Bewaffnung das Haus verlassen. — (kat)