Heft 24 vom 29.11.1991 3/25-26 scan 2026-05-29

Begrüßungswortevon Alfred Hausser, Landesvorsitzender der WN-BdA



Begrüßungswortevon Alfred Hausser, Landesvorsitzender der WN-BdA

Liebe Freundinnen und Freunde, ich darf Euch, die ihr aus Nah und Fern zu dieser Beratung nach Stuttgart gekommen seid, herzlich begrüßen.

Damals, am 2. Februar 1991, fand hier eine antifaschistische Demonstration statt, an deren Beginn wir uns mit einem bis dahin nicht gekannten Polizeiaufgebot konfrontiert sahen. Der Verlauf der Demo ließ erkennen, daß an uns eine neue Polizeitaktik erprobt wurde. Es war ein massiver Versuch, antifaschistische Kräfte zu kriminalisieren. Wir haben gegen die Beschränkungen protestiert und vom Innenminister ein Gespräch mit den Verantwortlichen verlangt, das uns bis heute verweigert wurde. Dazu kam der Golfkrieg, der uns schlagartig vor Augen geführt hat, wie nahe trotz Abbau der Konfrontation zwischen Nato und Warschauer Pakt Frieden und Krieg beieinander sind. Der Golfkrieg hat keines der anstehenden Probleme gelöst, sondern eher verschärft. Politische — und soziale — Probleme sind in unserem Lande sichtbar geworden, die uns veranlaßt haben, nach Mitteln und Wegen zur Abwehr zu suchen. Die Neuformierung der Rechten und eine Welle des Rassismus teilweise in direkter Anlehnung an den Nazifaschismus wurden Hauptprobleme. Es wurde der Gedanken geboren, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen. Wir blieben im Gespräch und haben versucht, eine möglichst breite Basis zu bekommen. Dies ist auf Anhieb leider nicht gelungen.

Als Vertreter der VVN-BdA bin ich zugleich der Repräsentant für den historischen Antifaschismus. Seit der Befreiung im Jahr 1945 sind wir nicht müde geworden, eine Lehre aus der Nazizeit bewußt zu machen, nämlich an die Spaltung der antifaschistischen Kräfte in der Endzeit der Republik von Weimar zu erinnern, die es den reaktionären Kräften ermöglicht hat, den Nazis die Macht in die Hände zu spielen. Für diese Uneinigkeit haben wir einen hohen Preis bezahlt. Im ständigen Bewußtsein dieser bitteren Erfahrung haben wir diesem Ratschlag unsere Unterstützung gegeben. Es ist ein Anfang. Was erreicht werden sollte, haben wir gestern mit der Kundgebung und Demonstration auf dem Stuttgarter Schloßplatz erlebt. DGB, Parteien, Friedensbewegung, Gruppen der evangelischen und katholischen Kirche haben dazu aufgerufen. Eine Bandbreite ist sichtbar geworden, die Hoffnung macht. Ich bin mir bewußt, daß für solche Bündnisse eine Voraussetzung nötig ist: Gegenseitige Achtung und Toleranz.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.