Heft 25-26 vom 12.12.1991 3/25-26 scan 2026-05-29

Konstanzer Städtesolidarität mit der kurdischen Stadt Zakho



Das kurdische Volk feiert den 13. Jahrestag der PKK

Überall in Nordwestkurdistan und in türkischen Metropolen wie in Istanbul feierte das Volk den 13. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans am 27. November 1978.

Schon am 25.11. wurde in Istanbul eine Gendarmeriestation von der ARGK angegriffen.

In Idil feierte das Volk schon am Abend des 26.11. zwei Stunden lang mit Parolen und Freudenschüssen in die Luft den 13. Jahrestag. Außerdem blieben die Geschäfte den ganzen Tag über geschlossen.

Am 26.11. wurde die Provinzstadt Silopi von der Volksbefreiungsarmee Kurdistans besetzt und den ganzen Abend lang kontrolliert. Dabei sind Gebäude der Kolonialverwaltung mit Raketen und automatischen Waffen angegriffen und zu großen Teilen zerstört worden. Bei diesen Angriffen wurde eine nicht genau bekannte Zahl von Soldaten und Polizisten getötet und verletzt.

Die Studenten der Diele-Universität in Amed (Diyarbakir) und Schüler in vielen Städten Nordwest-Kurdistans führten bereits am 26.11. Vorlesungs- und Unterrichtsboykottaktionen durch.

Am 27.11. blieben in Bismil alle Läden geschlossen, die Taxis und Busse fuhren nicht.

In Cizre wurde der 13. Jahrestag mit einer Demonstration und Kundgebung gefeiert, an der sich über 5000 Menschen beteiligt haben. Im ganzen Bezirk Cizre wurden alle Schulen an diesem Tag boykottiert.

In Sirnak wurden ebenfalls alle Schulen boykottiert, es fanden viele Kundgebungen zum Jahrestag statt, an denen sich große Massen beteiligt haben.

In Palu lockte eine ARGK-Einheit ein Spezialteam in einen Hinterhalt, dabei wurden drei Spezialteamkräfte getötet.

Alle nach Bingöl führenden Hauptverbindungsstraßen wurden am 27.11. von der ARGK kontrolliert. Die Volksbefreiungsarmee zerstörte neun Militärfahrzeuge, beschlagnahmte große Waffenbestände von Dorfschützern und nahm mehrere als Zivilisten verkleidete türkische Offiziere und Soldaten gefangen.

In Kulp besuchten 1000 Menschen im Zentrum die Gräber von gefallenen Befreiungskämpfern und feierten den 13. Jahrestag mit einer Demonstration.

Aus den zu Mardin gehörenden Dörfern von Ömerli zogen mehrere Demonstrationszüge mit ERNK-Fahnen ins Provinzzentrum und riefen Parolen wie: „Es lebe die PKK, es lebe der Vorsitzende APO!"

In Izmir führten die Bewohner des hauptsächlich von Kurden bewohnten Stadtteils Kadifekale eine Rolladenschließungsaktion durch und feierten den 13. Jahrestag.

(Bei Redaktionsschluß lagen noch nicht alle Informationen über die Aktionen zum /J. Jahrestag aus allen Gebieten Kurdistans vor) aus: Kurdistan-Rundbrief Nr. 25 ------------------------------------------ # Konstanzer Städtesolidarität mit der kurdischen Stadt Zakho

Die Gruppe „Aus dem Golfkrieg lernen“ ruft zu einer Spendenkampagne auf mit dem Ziel, einen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufbau und zur Entwicklung demokratischer Strukturen im irakischen Teil von Kurdistan zu leisten. Wir dokumentieren Passagen aus ihrem Spendenaufruf. — (woi)

Nachdem wir bereits im April/Mai eine größere Spendenaktion für die Kurdistanhilfe organisierten und im Juni mit einer Kurdistan-Solidaritätswoche über die Situation und Kultur in diesem Land informiert haben, wollen wir nunmehr unsere Hilfe einer bestimmten kurdischen Stadt im Nord-Irak (Südkurdistan) zugute kommen lassen: der Stadt Zakho, die wie Konstanz eine Grenzstadt mit etwa 70000 Einwohner ist und wie Konstanz ein altes Zentrum von Handel und Verkehr ist. Durch in Konstanz lebende Flüchtlingsfamilien aus dem Gebiet von Zakho haben wir erste Kontakte zum örtlichen Komitee der „Kurdistan Front“ geknüpft, die nun nach dem Rückzug der irakischen Armee aus diesem Gebiet Stadt und Region ganz unter ihrer Kontrolle haben. (Zakho liegt innerhalb der alliierten Schutzzone.)

In Zusammenarbeit mit diesem Komitee, der „Curdish Relief Association“ und „medico lnternationar7„Gesellschaft für bedrohte Völker" sollen die in Konstanz und Umgebung gesammelten Gelder zunächst der akut notwendigen „Winterhilfe“ für die am meisten gefährdeten Flüchtlinge verwendet werden: für jene, die in primitiven Zelten oder aus Schutt gebauten Hütten kaum eine Chance haben, den Winter zu überstehen. Wir bitten Sie sehr herzlich und sehr dringend: Helfen Sie uns mit einer großzügigen Spende!

Kurdistan und die Kurden brauchen jedoch nicht nur Geld und materielle Hilfe: Sie brauchen vor allem unser Interesse, unsere politische Anerkennung und Solidarität! Dazu können Sie beitragen, indem Sie sich über die Entwicklung unseres Projektes informieren und indem Sie dieses Projekt auf eine möglichst breite, von vielen Menschen, Gruppen, Parteien und Institutionen in Konstanz und Umgebung getragene Grundlage stellen...

Von Ihrer Unterstützung und von Ihrem Interesse hängt es ab, ob wir die Beziehungen zu Zakho zu einer Projektpartnerschaft und Städtesolidarität ausbauen können, wie sie in jüngster Zeit zwischen einigen Städten in der Bundesrepublik und in Kurdistan entstanden sind. Wir sind am Gespräch mit Ihnen, noch mehr an Ihrer Mitarbeit interessiert. Ansprechpartner: Heinz Kopp, KN-Oberdorf, Tel. 07533/ 4650 Werner Trapp, Tel. 07531/63424 Dietrich Winkelmann, Tel. 07531/ 32752 Spendenkonto: Heinz Kopp, Bank für Gemeinwirtschaft, Nr. 1051666600 (BLZ69010111) Stichwort „Kurdistan"

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.