Heft 2 vom 23.01.1992 4/2 scan 2026-06-06

Beschäftigte aus dem Ausland: als erste gefeuert...



Beschäftigte aus dem Ausland: als erste gefeuert...

Konstanz. Die Arbeitslosenquote in Konstanz ist im Dezember erneut gestiegen: laut neuestem Arbeitsmarktbericht gab es Ende Dezember 1991 in der Stadt am Bodensee 6560 Erwerbslose. Laut Arbeitsamt standen 1290 Arbeitslosenmeldungen im letzten Monat gerade 740 Vermittlungen gegenüber, die Erwerbslosenquote stieg damit von 4,7 auf 5,2%. Laut Arbeitsamt hat das Ansteigen der Arbeitslosigkeit saisonbedingte (Hotel- und Gaststättengewerbe) und witterungsbedingte (Land- und Forstwirtschaft) Gründe. Allerdings seien auch die Arbeitslosenzahlen im Elektro- und Metallbereich höher als im Vergleichsmonat im Jahr zuvor. Die vom Konstanzer Arbeitsamt veröffentlichten Zahlen belegen auch: Lohnabhängige aus dem Ausland sind von der gestiegenen Erwerbslosigkeit weit überdurchschnittlich betroffen. 1120 Menschen ohne deutschen Paß waren im Dezember 91 ohne Erwerb, das entspricht einer Quote von 9,9% (gegenüber einer Gesamtquote von 5,2%). Auch die Zuwachsrate entwickelte sich überdurchschnittlich: im Januar 1991 konnten 7,6% ausländische Lohnabhängige ihre Arbeitskraft nicht an den Kapitalisten bringen. Diese Entwicklung verdeutlicht sich auch am Anteil der Ausländer und Ausländerinnen an allen Erwerbslosen, der von Januar auf Dezember 91 von 13,8% auf 17,1% angewachsen ist. Diese Zahlen manifestieren eine nur selten thematisierte Form von Diskriminierung von Menschen aus dem Ausland: als erste gefeuert, als letzte geheuert. — (jüg)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.