Heft 2 vom 23.01.1992 4/2 scan 2026-06-06

Treffen der „Nationalen Offensive“ in Hemmenhofen



Treffen der „Nationalen Offensive“ in Hemmenhofen

Konstanz. Am 18. Januar fand im Hotel „Höri" in Hemmenhofen ein Treffen der „Nationalen Offensive“ (NO) statt. Daran beteiligten sich ca 80 Faschisten nicht nur aus der Region. Gerüchten zufolge soll an dem Treffen auch ein ehemaliger Gefolgsmann Kühnen und berüchtigter Fascho-Schläger Christian Worch, teilgenommen haben. Damit wollen die Faschisten anscheinend, wie von ihnen in einer Presseerklärung verkündet, mit dem Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg beginnen.

Das Programm der NO enthält unter anderem: Keine Anerkennung der Oder/ Neiße-Grenze, Kein Verzicht auf die Ostgebiete, Rückführung der Ausländer in ihre Heimatländer — Kulturvermischung ist Völkermord. (Wir berichteten in der Ausgabe Nr. 25/26 vom 12. Dezember 1991 darüber.)

Von Konstanz reisten die Faschisten mit einem Bus der Firma Kögel an. Offensichtlich müssen sich die Faschisten unter falschem Namen in dem Hotel angemeldet haben, denn der Wirt behauptete glaubhaft nichts über die faschistische Orientierung der Anmelder gewußt zu haben.

Im Anschluß an das Treffen machten sich die Faschisten auf, um in Singen einen Aufmarsch durchzuführen. Für diesen Zweck hatten die Faschisten in Singen und in Konstanz Demonstrationen angemeldet. Dies vermutlich, um sich bei entsprechenden antifaschistischer Mobilisierung auch nach Konstanz zurückziehen zu können.

In Singen gingen Sie die angemeldete Route ab und kreisten anschließend eine Gruppe von rund 50 Antifaschistinnen und Antifaschisten ein. Die Antifaschistinnen und Antifaschisten wurden beschimpft und bespuckt. Eine ältere Frau wurde aus der Gruppe der Antifaschistinnen herausgezogen und auf den Boden geworfen. Dabei erlitt sie Schürfwunden. Zwei Polizisten, die das Geschehen beobachteten griffen nicht ein.

Durch den Lärm wurden Anwohnerinnen und Passantinnen auf die Auseinandersetzung aufmerksam und solidarisierten sich mit den Antifaschistinnen. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Gruppe der SympatisantInnen auf über 100 Personen an. Nun wurden die Faschistinnen kleinlaut, konnten sich aber nicht zurückziehen, da sich ein Kreis um sie gebildet hatte. Daraufhin griff die Polizei ein und forderte die Menge auf, sich aufzulösen. Dies nutzten die Faschistinnen um in Gruppen abzuhauen.

Mittlerweile ist es müßig, den Zusammenhang zwischen faschistischem Terror und staatlicher Gewalt aufzuzeigen. Aber auch hier hat sich gezeigt, daß die Polizei dazu nur dann eingreift, wenn die Lage für die Faschistinnen schwierig wird.

Die Solidarisierung durch Passantinnen und Anwohnerinnen ist eine erfreuliche Erscheinung, da es ohne diese für die Antifaschistinnen nicht gut ausgesehen hätte. Daß aber auch an die 50 Antifaschistinnen aus Singen an der Gegenaktion teilnahmen, ist ebenfalls ein gutes Zeichen. — (wmo)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.