Heft 2 vom 23.01.1992 4/2 scan 2026-06-06

Folgen 15jähriger Lehrereinstellungspolitik



Folgen 15jähriger Lehrereinstellungspolitik

In den letzten 15 Jahren hat die baden-württembergische Landesregierung im Schulbereich tausende von Planstellen gestrichen, weit über 10000 Bewerberinnen und Bewerber für diesen Job abgewiesen. Proteste der Lehrerverbände verhallten ungehört. Die kultusministeriellen Voraussagen über einen deutlichen Schülerrückgang sind längst durch große Einwanderungsbewegungen von Um-/Aussiedlern, Leuten aus der DDR und ein verändertes demographisches Verhalten einiger Bevölkerungsschichten ad absurdum geführt worden.

Am 15.1.92 hat nun die GEW der Presse eine interne Kabinettsvorlage der Kultusministerin Marianne Schultz-Hector vorgestellt, die davon ausgeht, daß bis zur Jahrtausendwende 20000 ausscheidende Lehrkräfte ersetzt werden müssen, sowie zusätzlich 10000 neue Stellen erforderlich sind. Noch nicht berücksichtigt ist die notwendige Arbeitszeitverkürzung der Pädagogen. Die Kultusministerin geht bei ihrer Vorlage von Klassengrößen bis zu 40 Schülern aus. Jedermann weiß, wie dadurch die Kooperation Lehrkraft—Auszubildende gestört wird, wie der Umfang der Hausaufgabenhilfen steigt und dadurch die schichtenspezifische Selektion zunimmt, viele hängenbleiben. Die Unzufriedenheit der Lehrkräfte, denen man seit 20 Jahren jede Arbeitszeitverkürzung verweigert, wird weiter steigen, die v.a. nervlichen Zusammenbrüche ebenfalls. Die GEW fordert deshalb, jährlich 4000 neue Lehrkräfte einzustellen. In einem möglichst breiten Bündnis der am Bildungsprozeß Beteiligten und der politischen Parteien will die GEW am 21. März 1992 mit einer Großdemonstration in Stuttgart Druck machen. — (zem)

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