Heft 5 vom 05.03.1992 4/5 scan 2026-06-06

IGM: Vernünftige Tariferhöhung



IGM: Vernünftige Tariferhöhung

Am 4. März haben die Metalltarifverhandlungen begonnen. Schon Mitte Februar tagte dazu die Vertreterversammlung der IG Metall Singen. Der zweite Bevollmächtigte, Günther Stadelhofer, nannte die von der großen Tarifkommission aufgestellte Forderung von 9,5 % ,,realistisch und machbar“. Zwar zeigten sich in einigen Branchen konjunkturelle Abschwächungen, die Auftragspolster seien aber dort durchaus noch als normal zu bezeichnen. Das wirtschaftliche Wachstum von 2,5 %, die Steigerung der Produktivität und die Preissteigerung sowie ein „gewisser Teil von Umverteilung der Gewinne“ seien unter die Forderung von 9,5% zu addieren. Der Bevollmächtigte zeigte sich auch davon überzeugt, daß eine Erhöhung der Löhne und Gehälter „eine Stärkung der Binnenkonjunktur“ bewirken könne. Zur gegenwärtig wieder einmal geführten Diskussion um den „Industriestandort Bundesrepublik Deutschland“ führte Stadelhofer aus, „daß die Wertschöpfung der Metallindustrie nach wie vor gut ist.“ Einen Beleg dafür sieht er darin, „daß die Japaner in der Bundesrepublik die zweithöchsten Auslandsinvestitionen durchführen.“ Dagegen sei die Investitionsfreudigkeit von deutschen Firmen im Ausland nicht mit den hohen Lohn- und Gehaltskosten, sondern mit der Globalisierung der Märkte zu erklären.

Für eine „vernünftige Tariferhöhung am Verhandlungstisch“ müßten die Voraussetzungen in den Betrieben geschaffen werden. Stadelhofer forderte die Funktionärinnen und Funktionäre der IG Metall auf, dafür Sorge zu tragen. Nur wenn die IG Metall auch deutlich mache, daß sie willens ist, notfalls ihre Forderungen auch „streikweise“ durchzusetzen, sei es möglich ohne „dieses letzte Mittel auszukommen“. Die Metaller haben allen Grund für eine hohe Forderung. Ein Preisanstieg von über 4%, vor allem bei Grundlebensmitteln, sowie höhere Steuern und Abgaben haben für viele Reallohnverluste gebracht. Gleichzeitig sind die Gewinne der Unternehmer gestiegen wie noch nie. Über liquide Mittel von 670 Mrd. DM verfügten die BRD-Produktionsunternehmen nach Angaben der Bundesbank Ende 1990. Preis- und Steuererhöhungen treffen vor allem die wachsende Zahl der nicht- bzw. schlechtverdienenden Lohnabhängigen: Erwerbslose, Leute aus dem Ausland, und solche, die im Osten leben. Die Schere zwischen Gut - und Schlechtverdienenden geht immer weiter auseinander. Schlecht, daß die Gewerkschaften dem nicht durch die Ergänzung der Prozentforderung durch einen Mindestbetrag Rechnung tragen, wie das in den Betrieben auch häufig gefördert worden ist.- (jüg)

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