Heft 7 vom 02.04.1992 4/7 scan 2026-06-06

„Nationale Offensive“ in der Region: Gestörter Wahlkampf



„Nationale Offensive“ in der Region: Gestörter Wahlkampf

Für den 11. März hatte die Nationale Offensive (NO) eine Demonstration in Konstanz angemeldet. Es sollte ein „Solidaritätsmarsch für Gottfried Küssel“ werden. Küssel hat sich selbst zum Nachfolger Michael Kühnens ernannt, er sitzt derzeit in Österreich in Haft, weil in seiner Wohnung Sprengstoff gefunden wurde. Etwa 200 Antifaschistinnen hatten sich am Münsterplatz, dem Ort des Faschistentreffpunktes, eine Stunde vor der geplanten NO-Kundgcbung versammelt. Die Nazis zogen es vor, gar nicht erst zu erscheinen. „Sie wußten warum sie nicht gekommen sind“ wie einer der Antifaschisten sagte.

Eine Wahlkampfveranstaltung mit David Irving, dem englischen Geschichtsfälscher, hatte die NO für den 18. März in der Hegauklause in Welschingen geplant. Bei dem Wirt und der Wirtin gingen zahlreiche Proteste von Antifaschistinnen ein. Diese sagten, sie wüßten nicht, was für eine Veranstaltung in ihren Räumen geplant gewesen sei. Bei ihnen sei die Rede eines Historikers angemeldet worden. Ergebnis der Verhandlungen zwischen Antifaschistinnen und den Wirtsleuten war, daß die ihr Lokal für zwei Tage „wegen Personalmangels“ schlossen.

Die NO sagte daraufhin, die Veranstaltung würde im Gasthaus Kreuz in Dettingen stattfinden. Auch der Wirt des „Kreuz" gab seine Räume nicht her, nachdem sehr viele DettingerInnen ihm ihre Meinung über ein Nazi-Treffen in ihrem Ort gesagt hatten.

Am 28. März war ein NO-Wahlstand vor dem Rosgartenmuseum in Konstanz. Etwa zwölf NOler waren hinter dem Stand, etwa 60 Antifaschistinnen davor. Aus aktuellem Anlaß hatten sich die Nazi-Gegnerinnen eine braune Mülltonne bei der SPD ausgeliehen, die diese an ihrem Wahlkampfstand am Obermarkt für „braunes Gedankengut“ aufgestellt hatte. Das NO-Mitglied Stefan Jahnel verteilte Flugblätter, deren Inhalt Hetze gegen Flüchtlinge war. Bis auf wenige Ausnahmen kamen fast alle Passantinnen der Aufforderung der Antifaschistinnen nach, diesen Nazidreck sofort in die bereitgestellt Mülltonne zu werfen. „Ein Informationsstand ist das nicht mehr“ stellte einer der zum Schutze des NO-Standes eingesetzen Polizeibeamten. Den vor dem Stand waren etwa 25 Polizisten und zwischen denen und den Passantinnen standen die Antifaschistinnen. - (db)

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