Metalltarifverhandlungen schleppend
Metalltarifverhandlungen schleppend
Am 10.4.92 ist mit Nordwürttemberg/- Nordbaden in allen Tarifgebieten die zweite Runde ohne Angebot, geschweige Ergebnis beendet worden. Nach wie vor bestehen die Kapitalisten auf einem Abschluß in Höhe der „zu erwartenden Produktivitätssteigerung“ (1,5 bis 2 %). Ein erstes offizielles „Angebot“ haben sie für die dritte Runde am 24.4. in Aussicht gestellt. Die IG Metall hat bei den Verhandlungen am 10.4. erstmals Vertreter des Mieterbundes zu den drastischen Mietsteigerungen Stellung nehmen lassen, um die Tarifforderung von 9,5 % nochmals zu untermauern. Die Kapitalisten versuchten frech zu bestreiten, daß die tatsächlichen Mieterhöhungen sich über der amtlichen Teuerungsrate von knapp 5 % bewegen.
In der Sitzung der Tarifkommission am 13.4.92 wurde das „arrogante Verhalten des VMI und seine Verschleppungstaktik“ scharf angegriffen. Was den weiteren Gang der Tarifauseinandersetzung betrifft, sind gewisse Weichen durch den öffentlichen Dienst gestellt, nachdem dort auch die Nachgeburt der Schlichtung am Abend des 13.4. endgültig gescheitert ist. Das letzte Angebot der öffentlichen Arbeitgeber von 4,8% (statt des 5,4%-Schlichtungsspruches) zeigt, daß Regierung und Kapital mit aller Gewalt einen Abschluß maximal in Höhe der amtlichen Inflationsrate durchdrücken wollen, nicht zuletzt im Hinblick auf Metall und Bau. Klar ist jedoch, daß auch eine 5 vor dem Komma netto ein Ergebnis unter der amtlichen Teuerung und real auf jeden Fall größeren Lohnabbau bedeuten würde. ÖTV und IGM planen für den 27.4. in Heidelberg eine Kundgebung vor dem Rathaus. In Karlsruhe ist für 9.5. eine bezirkliche IGM-Kundgebung in Vorbereitung. Ab 29.4. sollen erste Metall-Warnstreiks laufen. — (aro)