Stuttgart: der Streik kommt in Bewegung
Stuttgart: der Streik kommt in Bewegung
Bereits am Samstag fielen im Staatstheater Vorstellungen aus. Am Montag früh ab 430 Uhr traten etwa 3000 Beschäftigte der Stuttgarter Straßenbahn AG in Streik. Busse und Straßenbahnen fuhren nicht mehr, die werktags etwa 400.000 Menschen in der Stuttgarter Gegend transportieren. Die bundesbahneigenen S-Bahnen verkehrten weiterhin, da dort zu 90% verbeamtete Fahrer eingesetzt werden. Das diskriminierende Streikverbot für die Beamten und deren mögliche Dienstverpflichtung zu Streikbrecherdiensten wird, falls der Streik länger dauern sollte, zwangsläufig ein wichtiges Thema in der Auseinandersetzung werden. Ferner streikte das städtische Tiefbauamt, die Telefonauskunft und die Rangierarbeiter der Eisenbahn. Am Dienstag sollen fast 40 städtische Kindertagesstätten bestreikt werden. Die Streikbereitschaft der Beschäftigten ist hoch, es gab wie - z.B. auch an den Krankenhäusern, wo bisher ein niedriger Organisationsgrad herrscht - etliche Eintritte in die ÖTV während der Urabstimmung. In einem Brief an die Eltern hatten die Vertrauensleute u.a. auf den Zusammenhang zwischen nicht ausreichender Entlohnung und Personalmangel mit den daraus folgenden Einbrüchen bei der Kinderbetreuung hingewiesen. Die Eltern stehen dem Streik überwiegend positiv gegenüber, zumal viele in Metallbetrieben arbeiten und ebenfalls in Warnstreiks treten werden. Auch die Schleusenwärter sollen am Dienstag streiken, so daß die Binnenschifffahrt auf dem Neckar lahmliegen wird. In den folgenden Tagen werden weitere Bereiche einbezogen, z.B. die Müllverbrennung, die Heizkraftwerke, die Stadtreinigung, die Erddeponien, die Krankenhäuser.