Heft 10 vom 18.05.1992 4/10 scan 2026-06-06

REPs schneiden bei den Landtagswahlen in Konstanz schlecht ab



REPs schneiden bei den Landtagswahlen in Konstanz schlecht ab

Während die anderen faschistischen Parteien im Landesdurchschnitt lagen, haben die REPs in Konstanz nicht mal die Hälfte ihres Landesergebnisses erreicht. Das Ergebnis in der Stadt Konstanz im Einzelnen (in Klammern Land):

CDU 36,0% (39,6%), SPD 30,6% (29,4%), Grüne 16,7% (9,5%), FDP 7,4% (5,9%), Liga 0,7% (0,5%), Graue 1,6% (0,6%), REP 4 5% (10,9%), NPD 0,7% (0,9%), NO 0,2% (0,0%), ÖDP 1,4% (1,9%). Die 5 Faschisten-Parteien (REPs, NPD, Liga, NO und ÖDP) haben zusammen 7,5 %, im Land 14,2 % erreicht. Die Wahlbeteiligung lag in Konstanz bei 64,8%, landesweit bei 70,1%. Der Wahlkreis Konstanz hat im Land den geringsten Prozentsatz faschistischer Wählerinnen und Wähler (alle 5 Parteien zusammen genommen).

Die Entwicklung faschistischer Wahlergebnisse in Konstanz:

Landtagswahl 1987: NPD 1145, ÖDP 710, zusammen 1855 Stimmen.

Europaparlamentswahl 1989: DVU 565, ÖDP 324, REP 1929, FAP 58, zusammen 2818 Stimmen.

Gemeinderatswahl 1989: REP ca. 1300 Stimmen

Bundestagswahl 1990: NPD 165, ÖDP 410, REP 859, zusammen 1434 Stimmen.

Landtagswahl 1992: NPD 253, ÖDP 485, REP 1580, NO 65, Liga 230, zusammen 26Z3 Stimmen.

Diese Ergebnisse zeigen, daß es eine Stammwählerschaft der Faschisten gibt, die sich in drei Richtungen aufteilen: ca. 1500 REPs; ca. 400 NPD, DVU, Liga, NO; ca. 400 ÖDP. Die Faschisten verfügen seit Jahren über ein festes Potential von Wählerinnen und Wähler. Der Anteil der sogenannten Protestwähler erscheint eher gering. Gerade den REPs scheint es bei den jetzigen Wahlen nur gelungen zu sein, ihre alte Wählerschaft zu mobilisieren. Der landesweite Zulauf ist in Konstanz ausgeblieben.

Die Hochburgen der Faschisten haben sich gegenüber den Kommunalwahlen zum Teil verschoben. Während sie in einigen ihre Stimmanteile gehalten oder leicht ausgebaut haben, haben sie in anderen kräftig zugelegt. So hatten die REPs z.B. im Wahlbezirk 51- Wollmatingen bei den Kommunalwahlen 7,0 % jetzt haben die 5 Faschistenparteien dort 13,0%, in 46-Haidelmoosschule waren es 1989 6,7 % für die REPs, jetzt für die Fünf 13,3 %. Auf der anderen Seite haben die REPs in manchen Wahlbezirken der Altstadt oder im Paradies z.B. bis zu 50% an Stimmen verloren.

Grundsätzlich lassen sich in Konstanz wenige Wohngebiete ausmachen, die von einer bestimmten Schicht oder Klasse dominiert werden. So ist eine genaue Zuordnung schwierig, wer die Faschisten gewählt hat. Die beiden angesprochenen Bezirke Wollmatingen und Haidelmoos lassen sich aber eher als kleinbürgerlich einstufen, es stehen dort fast nur 1- und 2-Familienhäuser. Die absoluten Hochburgen wie bei den letzten Wahlen sind Wahlbezirk 30- Sonnenhaldeschule (Pfeiferhölzle), mit 18,1 % für alle 5 Parteien zusammen und 19-Petershausen mit 16,8 %. Interessant ist, daß die beiden Wahlbezirke 30 und 19 die niedrigste Wahlbeteiligung der Stadt haben, nämlich 43,4 und 49,0% (das war bei den Kommunalwahlen auch schon so). In diesen eher proletarischen Bezirken gehen also 51 bis 56 % der Leute gar nicht zum Wählen.

Ein Detail: Im Wahlbezirk 19 wohnt REP-Kreischef Niedermayr. Das ist das Gebiet links der Max-Stromeyerstr., vom Ebert-Platz gesehen. Dort stehen etwas bessere Neubauten, vermutlich auch mit Eigentumswohnungen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite, Wahlbezirk 20, stehen die z.T. heruntergekommenen Blocks mit hohem Ausländeranteil. Dort haben die Faschisten zusammen 10,9%, Wahlbeteiligung auch 49 %.

In Fürstenberg, Berchengebiet und Wollmatingen haben die Faschisten zwischen 10,6 % und 13,9 %. Die Wahlbeteiligung dort lag zwischen 53 % und 66%. Die niedrigen Ergebnisse haben die Faschisten in den gehobenen Bezirken und in den Vororten, z.B. Dettingen REPs 1,7 % bis 3,1 %.

Außer den mißlungenen Auftritten der NO haben die anderen FaschistenParteien auf öffentliches Auftreten verzichtet. Nur über Plakate und TV-Werbung haben sie Propaganda betrieben. Gewählt werden sie trotzdem.

Die Vermutung, die antifaschistischen Aktionen gegen die NO-Auftritte hätten den Faschisten insgesamt geschadet, trifft offensichtlich nur bei der NO selbst und den REPs zu. Die NO konnte das FAP-Ergebnis bei der Europawahl nur um 7 Stimmen verbessern. Das ist erfreulich. Die Es dürfen aber nicht die fast 500 Wähler und Wählerinnen der Liga und NPD vergessen werden. Durchaus denkbar ist, daß die antifaschistischen Aktivitäten mit dazu beitragen haben, den Zulauf neuer Wählerinnen und Wähler zu den REPs zu verhindern. Es läßt sich auch vermuten, daß die REPs in Konstanz organisatorisch nicht sehr stark sind. - (chb)

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