Heft 10 vom 18.05.1992 4/10 scan 2026-06-06

Streik im Altenpflegeheim und im Krankenhaus



Streik im Altenpflegeheim und im Krankenhaus

Konstanz. Am 4. und 5. Mai traten Pflegepersonal, Küche, technischer Dienst und andere Bereiche des Krankenhauses Konstanz, sowie einige Ärztinnen in den Streik. Insgesamt beteiligten sich an beiden Tagen jeweils über 200 Bedienstete der Spitalstiftung am Streik. Bestreikt wurde auch das Altenpflegeheim am Krankenhaus. Im Gegensatz zu einstündigen Warnstreiks in vergangenen Tarifauseinandersetzungen wurde diesmal eine halbe Frühschicht von 6 bis 10 Uhr gestreikt. So ergaben sich erhebliche Veränderungen des Normalbetriebs auf den Stationen, manche gehfähige Patientin und Heimbewohnerin konnte ausschlafen, die Essenszeiten verschoben sich, Verwaltungsaufgaben blieben liegen etc. Notversorgung und Grundpflege waren zu jedem Zeitpunkt durch eine Notbesetzung gewährleistet. Die Reaktionen von Patientinnen und Angehörigen waren in den meisten Fällen verständnisvoll oder solidarisch. (OTon eines Bewohners im Altenpflegeheim: „Nachdem mein Tagessatz dieses Jahr um 10 % erhöht wurde, bin ich auch dafür, daß ihr genausoviel bekommt.) An beiden Streiktagen versammelten sich die Streikenden vor dem Haupteingang des Krankenhauses, am ersten Streiktag fand eine Kundgebung am nahegelegenen Gewerkschaftshaus statt. Auf der Kundgebung sprach ÖTV-Vorsitzender Berthold Meyer. Hauptaussagen seiner Rede waren folgende: Bezahlung und Arbeitsbedingungen gerade in der Pflege seien völlig unzureichend, besonders gravierend in der Ausbildung. Mittel hierfür wären ausreichend vorhanden, wenn man nur an die Rüstung denke. Auch das Argument „deutsche Einheit“ und „teilen“ ziehe nicht, da die Konzerne genug Kapital hätten. Staatliche Maßnahmen sollten nicht hauptsächlich von Geringverdienenden bezahlt werden. — (stk)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.