Heft 11 vom 29.05.1992 4/11 scan 2026-06-06

Konstanzer Nazis in Polen „Schlesien bleibt deutsch“



Konstanzer Nazis in Polen „Schlesien bleibt deutsch“

Konstanz. Die Hinweise für eine Zusammenarbeit zwischen Faschisten unterschied- W lieber Prägung aus der Region verdichten sich. Torsten Paproth, ehemaliger Kreisvorsitzender der Nationaldemokratischen Partei, danach Sympathisant der „Republikaner“ und der Landtagswahlkandidat der Faschistischen „Nationalen Offensive“ (NO), Günter Boschütz, (siehe auch „Nebelhorn“ 1/92) haben die heute zu Polen oder zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) gehörenden Gebiete des ehemaligen faschistischen Deutschen Reiches zu ihrem neuen Arbeitsgebiet gewählt. Boschütz will für die „Rechte“ der „deutschen Minderheit“ in Polen eintreten. Der Februar-Nummer der in Polen in deutscher Sprache erscheinenden Zeitschrift „Schlesien-Report“, in deren Redaktion Paproth ist, und dem „Stern“ (März 91) ist zu entnehmen, daß Boschütz sich in Polen ein Haus gekauft hat und sich dort niederlassen will, um dort „das Schicksal der Schlesier zu teilen“. Boschütz hofft im „Schlesien-Report“ „auf die Hilfe der Deutschen, die von der Wiedervereinigung ausgeschlossen wurden“ und lädt diese ein, ihn „im Wahlkampf an den Wahlinformationsständen der , Nationalen Offensive* in Konstanz und Singen zu unterstützen“. Paproth berichtet in der Februar-Ausgabe des faschistischen „Europa Vorn aktuell“, in deren Redaktion er ebenfalls vertreten ist. über eine Kolonie von „Deutschstämmigen“ aus allen Teilen der (ehemaligen) Sowjetunion, die sich im sowjetischen Ostpreußen ansiedeln. Paproth schreibt stolz, daß die D-Mark in dem Gebiet längst die offizielle Währung sei. Im Schlußsatz stellt er befriedigt fest, daß durch diese Aktivitäten neue Fakten geschaffen werden und „die zweite Etappe der deutschen Einigung kommen werde — wenn nicht mit den BRD-Politikem, dann gegen sie!“ Im Zusammenhang mit der NO trat auch Andreas Saur in Erscheinung. Saur war zusammen mit anderen Konstanzer Skinheads an dem Überfall auf ein Fest in Dettingen beteiligt und ist gleichzeitig eine der drei Konstanzer Kontaktadressen des Vereins zur Förderung der deutschsprachigen Medien in Osteuropa e.V., über den Paproth seine Aktivitäten organisiert. Erstaunlich ist die Zusammenarbeit zwischen dem militant-neonazistischen Boschütz und dem sonst eher auf Reputierlichkeit bedachten Paproth. Es eint sie aber der Wunsch, daß Schlesien und Ostpreußen deutsch bleiben bzw. werden. So schaffen sie durch ihre Wühlarbeit in Polen und der GUS Fakten — bis Deutschland wieder vom Schwarzwald bis zum Ural reicht - oder bis ihnen von Antifaschistinnen Einhalt geboten wird. - (ow)

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