Infokneipe im Kulturladen: Gemeinsam gegen den Weltwirtschaftsgipfel ‘92
Infokneipe im Kulturladen: Gemeinsam gegen den Weltwirtschaftsgipfel ‘92
Vom 6.-8. Juli 1992 werden in München sieben Staats- und Regierungschefs zu ihrem alljährlichen „Weltwirtschaftsgipfel“ zusammenkommen. Die „Gruppe der 7“ (G 7) steht für die reichsten und mächtigsten Industrienationen der Welt. Der „Weltwirtschaftsgipfel (WWG)“ verfügt über keine demokratische Legitimation, gibt jedoch die Richtung für die bestehende ungerechte Welt(wirtschafts)ordnung vor. Dieser Gipfel findet statt vor dem Hintergrund von mehr als 500 Jahren kolonialer Barbarei. Er findet statt nach dem Zerfall der Sowjetunion, er findet statt nach dem Golfkrieg. Er findet statt im Deutschland der Überfälle und Morde an Flüchtlingen. Er findet statt in München, der High-Tech-Rüstungsschmiede der deutschen Nation, im Land der Memminger Abtreibungsinquisition, des vorbeugenden Polizeigewahrsams, des anonymisierten AIDS-Zwangstests, im Land der staatlichen Vorreiter der Pogromhetze auf Flüchtlinge.
Aber Bayern ist auch das Land in dem einmal in Wackersdorf eine atomare Wiederaufbereitungsanlage gebaut werden sollte! Die sieben Reichen vertreten ein Wirtschaftsmodell, das einer sozialen, ökologischen und damit auch ökonomischen Überlebensfähigkeit der ganzen Welt entgegensteht. Sie sind verantwortlich für die Welt (wirtschafts)ordnung, die es in Industrieländern ermöglicht, Menschen und Ressourcen auszubeuten. Wir kennen die Ergebnisse: Hunger, Elend, Naturzerstörung, Ausbeutung, Folter und Krieg. Es sind dies die Zustände, die alle Lebensgrundlagen zerstören. Zu den wesentlichen Unterdrückungsmechanismen, die diese HERRschende Weltordnung stützen, gehören patriarchale Strukturen, die die weltweite Unterdrückung von Frauen verursachen.
Der Münchner Gipfel tagt vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der neuen deutschen Weltmachtposition. Eines der Hauptthemen wird die ökonomische und politische „Aufteilung“ Osteuropas sein. Wird Osteuropa der Hinterhof der EG werden, ähnlich wie Lateinamerika unter US-Vorherrschaft, und von Schuldendienstzahlungen erdrückt? Immer mehr Menschen werden aus wirtschaftlichen, politischen, ethnischen, religiösen Gründen oder aufgrund ihres Geschlechts zur Flucht gezwungen. Fliehen sie in die hochindustrialisierten Staaten und schaffen sie den Sprung über die Mauern, die gegen sie errichtet werden, dann wendet sich dort der Rassismus gegen sie.
Die Politik der G 7 ist nicht dazu geeignet, diese Probleme auch nur annähernd zu lösen, ganz im Gegenteil — sie ist verantwortlich für die Krise. Das ist das System, dem sie vorstehen: Profit, Vermarktung und Verwertung von Menschen und Natur, Männerherrschaft über Frauen und rassistische Unterdrückung. Sie nennen es Freiheit (wir sagen: Freiheit des Profits über die Menschen) und Demokratie (wir sagen: Demokratie der Reichen und Mächtigen gegen die Armen und Ohnmächtigen). Gegen diesen „Wirtschaftsgipfel“ sind von den verschiedensten Gruppen, Institutionen und Gremien eine Vielzahl an Aktivitäten geplant: von einem Gegenkongreß über eine Großdemonstration bis zu AKtionstagen während der Dauer des Gipfels. Mit einer kleinen Veranstaltungsreihe will die Infokneipe dazu beitragen, daß sich auch in Konstanz verstärkt mit dem Thema beschäftigt wird und für die Teilnahme an der Demonstration werben.
Veranstaltungsreihe vom 26. Mai bis 30. Juni Di., 9. Juni, 20 Uhr: Weltwirtschaftsgipfel — was steckt dahinter? Die AG Internationalismus der ALL Konstanz wird in dieser Veranstaltung über die bisherigen Diskussionen der Gegnerinnen des WWG informieren, die geplanten Aktivitäten vorstellen und gemeinsam mit den Anwesenden diskutieren ob und wie wir uns an der Mobilisierung gegen den WWG in München beteiligen. „Für uns als veranstaltende Gruppe steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Internationalismus-Arbeit vor Ort weiter entwickelt werden kann und welchen Stellenwert die Kampagne gegen den WWG in diesem Zusammenhang hat.“
Mo., 22. Juni, 20 Uhr: Veranstaltung mit Thomas Ebermann „500 Jahre Conquista, der Reichtum in den Metropolen und der WWG ‘92 in München“. Ebermann war von 1983 bis 1985 Bundestagsabgeordneter für die Grünen. Im Frühjahr 1989 trat er aus den Grünen aus. Er ist/war einer der MitinitiatorInnen der „Radikalen Linken“.
Di., 23. Juni, 20 Uhr: Film „Reisen ins Peugeotland“ Frankreich 1990, 60 min, OmU. Die Arbeitsbedingungen beim Multikonzern Peugeot haben 1989 zu den heftigsten Streiks geführt, die Frankreich seit 1968 erlebt hat. Die Beschäftigten der zwei Peugeot-Automobilwerke Mulhouse und Socheaux dokumentieren in dem Film die Gründe dafür ... Einleitend gibt es einen kurzen Vortrag über die kolonialistische Vergangenheit und Gegenwart von „Peugeot“.
Di., 30. Juni, 20 Uhr: Demovorbereitungstreffen für alle Leute, die von Konstanz aus am Samstag 4. Juli zur Großdemonstration gegen den WWG nach München fahren wollen. Für einen Bus aus Konstanz sind Karten erhältlich in der Infokneipe, im Buchladen Zur Schwarzen Geiß sowie montags und donnerstags von 12 bis 14 Uhr im Eingangsbereich der Uni.
Alle Veranstaltungen in der Infokneipe im Kulturladen, Cherisy-Kaserne, Bücklestr. 33,Tel.KN/52954 wird. — (ow)