Heft 12 vom 12.06.1992 4/12 scan 2026-06-06

Universität: Militaristen marschieren und schießen wieder



Universität: Militaristen marschieren und schießen wieder

Konstanz. Die Militaristen an der Uni melden sich wieder einmal zu Wort: eine „Arbeitsgemeinschaft internationale Sicherheit und Verteidigung Konstanz“ machte kürzlich durch ein Flugblatt auf sich aufmerksam.

Hinter dem bombastischen Namen verbirgt sich allerdings nichts anderes als die Reservisten-Hochschulgruppe, die auch in der Vergangenheit schon durch penetrante Bundeswehr-Lobhudeleien auf sich aufmerksam gemacht hat. Nachdem man nicht mehr gegen „den Kommunismus“ rüsten kann, mußte offenbar ein anderes Etikett her. Die Gelegenheit nutzten die akademischen Militaristen gleich, um sich zu Experten für internationale Sicherheit aufzuschwingen. Wie sie diese Sicherheit herstellen wollen? Mit Waffengewalt, wie denn sonst. Und um sich auf etwaige künftige (Sicherheits)einsätze vorzubereiten, unternehmen die Mitglieder auch was. Zum Beispiel den „Kombinierte(n) Militär-Geschicklichkeits-Wettkampf .Bodanrück *92‘“, der in diesem Jahr am 26.Z27. Juni stattfinden soll.

Was das ist? Ein „Nacht-Orientierungsmarsch mit nachfolgendem Schießen“. Noch nicht verstanden? „Die Aufgabe besteht darin, innerhalb einer festgelegten Zeitspanne möglichst viele Punkte anzulaufen, die Orientierungsaufgaben zu erfüllen und die eigenen Kräfte so einzuteilen, daß die Zeitvorgabe nicht überschritten wird“. Damit auch durchs Studium verweichlichte Kameraden wieder auf Vordermann gebracht und einsatzfähig werden, finden vor der eigentlich Übung noch zwei „Eingewöhnungsmärsche“ statt. Worauf die beteiligten Kommißköppe dann zur Belohnung allerdings schießen dürfen, nachdem sie ca. 40 Kilometer durchs Gelände gehechelt sind, darauf bleiben uns die veranstaltenden Sicherheitsexperten die Antwort schuldig. Daß solche ein krimineller Unsinn überhaupt stattfinden kann, ist schon ein Skandal.

Völlig unverständlich jedoch ist. daß die Militaristen sich der Uni-Poststelle bedienen können, um die Bewerbungen für ihre Marsch- und Schießübung einzusammeln. — (jüg)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.