IG Metall Singen protestiert gegen Karenztage: „Das Maß ist voll“
IG Metall Singen protestiert gegen Karenztage: „Das Maß ist voll“
Singen. Die IG Metall Singen hat in einer Pressemitteilung angekündigt, sie werde zum Widerstand gegen die von der Bundesregierung geplanten Karenztage aufrufen. Laut der Mitteilung vom 3. Juli kennzeichnen „Zorn und Empörung“ die Reaktionen der Beschäftigten auf den Beschluß des Bonner Kabinetts, Karenztage im Krankheitsfall einzuführen. Dies berichteten übereinstimmend die Vorsitzenden der Betriebsräte und IG Metall-Vertrauensleute aus den Metall-Betrieben im Bereich des westlichen Bodenseegebietes, die sich kurzfristig aus diesem Anlaß im Singener Gewerkschaftshaus zusammenfanden.
Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Heinz Rheinberger, erster Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Singen, erinnerte daran, daß die IG Metall 1956/57 mit einem sechzehnwöchigen Streik die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die Arbeiter und damit deren Gleichstellung mit den Angestellten durchgesetzt hat. Nun sollen nach den Plänen der Bonner Koalition zukünftig erkrankte Arbeiter und Angestellte am ersten Krankheitstag keinen Lohn und Gehalt mehr erhalten. Mit diesem Vorhaben sollen die Kosten der überfällig gewordenen gesetzlichen Pflegefallversicherung vor allem den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. Einerseits müssen sie über ihre Arbeitnehmerversicherungsanteile die Hälfte der rund 25 Milliarden DM jährlich aufzubringenden Mittel für die Pflegeversicherung finanzieren und andererseits durch den Karenztag weitere 6,5 Milliarden DM den Unternehmern zur Finanzierung des Arbeitgeberanteils überlassen. Besonders die Kranken müssen damit überwiegend für die Pflegebedürftigen aufkommen. Dies sei eine Perversion des Solidaritätsprinzips.
Die Versammelten ließen keinen Zweifel daran, daß nach einem Jahrzehnt des Sozialabbaus und der Belastung der kleinen Leute nun die Schmerzgrenze erreicht ist. Sie werteProtest gegen Sozialabbau angekündigt ten die Bonner Beschlüsse als einen entscheidenden Schritt zur Deregulierung des Sozialstaates und als massiven Angriff auf die Tarifautonomie. Sie forderten die Ortsverwaltung der IG Metall Verwaltungsstelle Singen und den DGB-Kreisvorstand auf, alle erforderlichen Schritte einzuleiten, um den Widerstand gegen die Bonner Entscheidung zu organisieren. Wenn es zu keinem Abrücken von den Karenztagplänen kommt, ist mit erheblicher Unruhe und Protesten innerhalb und außerhalb der Betriebe im Herbst zu rechnen. — (red)