Heft 14 vom 09.07.1992 4/14 scan 2026-06-06

Unterschriftensammlung: Sofortige Freilassung von Gerhard Bögelein



Unterschriftensammlung: Sofortige Freilassung von Gerhard Bögelein

Der Alternativen Linken Liste Konstanz (ALL) wurde von der Prozeßgruppe Kielhorn/Bögelein die im folgenden abgedruckte Unterschriftenliste mit der Bitte um Unterstützung zugesandt. Listen können über die Redaktionsadresse bezogen werden. Auf dem von der ALL nach den Landtagswahlen initiierte Antifa-Treffen sol über eine Unterstützung beraten werden. — (red).

Am 18. Mai 1992 wurde der 69jährige Gerhard Bögelein von der 22. Strafkammer des Landgerichts Hamburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Begründung des Gerichtes: Heimtückischer Mord an einem ehemaligen NS-Wehrmachtsrichter im Jahre 1947.

Diese Urteil ist aus verschiedenen Gründen ungeheuerlich: — Der nun zu lebenslanger Haft verurteilte Gerhard Bögelein war aktiver Widerstandskämpfer gegen den deutschen Faschismus; er war Befehlsverweigerer, Deserteur, Überläufer zur Roten Armee und kämpfte aufSeiten der Sowjetunion gegen den Faschismus.

— Der getötete NS Wehrmachtsrichter hat zwischen 1943 und 1945 zwischen 120 und 170 Todesurteile unterschrieben und awr noch 1947 ein überzeugter Nationalsozialist.

— Die Ermittlungen und Zeugenbefragungen, auf die sich das Verfahren stützt, wurden zum großen Teil Anfang der 50er Jahre von einem ehemaligen NS-Volksgerichtshof-Richter vorgenommen.

— Fast sämtliche Zeugen der Staatsanwaltschaft waren durchweg überzeugte Nationalsozialisten. Gerhard Bögelein selbst streitet die ihm vorgeworfene Tat ab.

— Gerhard Bögelein war bis zur „Wiedervereinigung“ der beiden deutschen Staaten DDR-Bürger und wurde kurz danach — schwer krank und haftunfähig — zwangsweise ins Hamburger Untersuchungsgefängnis verbracht.

Die Verhaftung, die seit Dezember 1990 andauernde Haft von Gerhard Bögelein, die Anklage und das Urteil gegen den alten Antifaschisten sind unerträgliche Anzeichen für eine nachträgliche Verfolgung des antifaschistischen Widerstands gegen das NS-Regime. Der Prozeß ist ein Beispiel für die bundesdeutsche Geschichtsfälschung, die aus den NS-Tätern Opfer machen will und aus Menschen, die sich aktiv dem Faschismus entgegenstellten und die Mörder zur Rechenschaft zogen, Verbrecher.

Wir sind empört und entsetzt über dieses Urteil und fordern alle demokratischen und antifaschistischen Menschen im INund Ausland auf, sich für die sofortige Freilassung und Rehabilitierung von Gerhard Bögelein einzusetzen.

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.