Metall: Proteste gegen den Karenztag
Metall: Proteste gegen den Karenztag
Auf die Absicht der Bundesregierung, mit Gesetzen Tarifabschlüsse zu brechen und tarifliche Errungenschaften zu beseitigen, haben am 3. Juli mehr als hunderttausend Metaller mit Arbeitsniederlegungen im gesamten Bundesgebiet demonstriert. Allein in Stuttgart streikten rund 13000 Gewerkschafter bei Porsche, SEL, Hansa (Möhringen), Behr (Feuerbach), Bosch (Leinfelden), SKF (Bad Cannstatt) und anderen Betrieben. Proteste gab es auch in Reutlingen, Sindelfingen und Freiburg. Konkreter Anlaß war einmal der Regierungsbeschluß, daß ostdeutsche Betriebsräte und Unternehmer künftig für einen begrenzten Zeitraum Tarifverträge als Mindestbedingungen unterlaufen können. Außerdem hat die Regierungskoalition kurz danach beschlossen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränken. Am ersten Tag der Krankheit brauchen danach die Unternehmer keine Lohnfortzahlung mehr zu leisten. Diese Maßgabe verstößt gegen geltenden Tarifvertrag. 1956/57 hatten die Metallerinnen und Metaller in Schleswig-Holstein in 16 Wochen Streik die Lohnfortzahlung tariflich erstritten. Die Beschlüsse der Bundesregierung sind die massivsten Angriffe auf die Tarifautonomie seit Kriegsende. Die Notlage ün Osten ist dafür nur willkommener Anlaß. Denn schon heute gelten dort Tarifverträge nur beschränkt. So sind BMW und Opel Eisenach nicht dem Arbeitgeberverband beigetreten und nicht an Tarifabschlüsse gebunden. Es zeigt sich weiter, daß der Tarifabschluß mit 21 Monaten Laufzeit die Konzerne nicht zu gemeinsamen Handeln mit der IG Metall gebracht, sondern zu Angriffen auf die Gewerkschaften geradezu herausgefordert hat. - (ros)