Linke Sommerschule 1992 3.-7.8. in Schnepfenthal/Thüringen
Linke Sommerschule 1992 3.-7.8. in Schnepfenthal/Thüringen
Die AG Konkrete Demokratie und soziale Befreiung, an der sich die Landesverbände Bayern und Thüringen der PDS sowie eine Reihe anderer linker Organisationen vor allem aus Bayern beteiligen, lädt ein zu einer Linken Sommerschule vom 3. bis 7. August 1992 in Schnepfenthal (bei Gotha).
Ausgangspunkt ist die Überzeugung, daß ein Neuansatz linker Politik nicht möglich sein wird, wenn Linke ihre bisherige weltanschauliche und politische Bildung nicht im Lichte ihrer politischen Erfahrungen bis in die jüngste Zeit prüfen und erneuern, d. h. in einem selbstbestimmten und -organisierten Lernprozeß bisher vernachlässigtes Gedankengut aufnehmen und so die teilweise jahrzehntelange Selbstisolation überwinden und vor allem sich jenes Wissen aneignen, das für die Analyse und Interpretation der gründlich veränderten und sich ständig weiter verändernden modernen Gesellschaft in Deutschland, in Europa, in den anderen imperialistischen Zentren und in der „übrigen“ Mehrheit der Welt erforderlich ist.
Angeboten werden drei parallele Kurse:
1. „Kritische Theorie“
Was leistet und was leistet nicht die Kritische Theorie zum Verständnis der Gesellschaft? Die kritische Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie soll dazu beitragen, das Neue herauszufinden, die Entwicklungsperspektive, die der Kapitalismus anbietet, um Menschen zu fischen.
Der Kurs soll zum Teil als Lektürekurs durchgeführt werden mit dem Ziel, daß sich alle Teilnehmer vergewissern. Vorgeschlagen werden folgende Texte: Adorno/Horkheimer: Vorreden und erstes Kapitel der „Dialektik der Aufklärung“: Habermas: verwissenschaftlichte Politik und öffentliche Meinung, in: Habermas. Technik und Wissenschaft als ..Ideologie“; Habermas, Nachholende Revolution und linker Revisionsbedarf. Was heißt Sozialismus heute, in: Die nachholende Revolution. 2. Strukturpolitik in den neuen Bundesländern und moderne ökonomische Theorien
I. Versuch einer ersten Bestandsaufnahme. H. Praxis der Anschlußpolitik: Konzeption, Ziele und theoretische Grundlagen, ni. Ansatz und Zielpunkte alternativer Wirtschaftspolitik (eigentlicher Schwerpunkt)
3. Das Jahr 1945 — eine verpaßte Chance?
Ausgangspunkt für den Kurs: Der letzte Erzählblock in Peter Weiss’ Die Ästhetik des Widerstands (Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main).
Fragen an das Thema: Wer hat 1945 eine Chance erhalten? Welcher Art war diese Chance? Wer hat sie aufgegeben? Wie ist sie aufgegriffen worden? Wer hat sie wie genutzt oder vertan?
Alte und neue Streitpunkte: „Schuld am Faschismus“; Selektierter Antifaschismus; Antifaschismus und Totalitarismus; „Schafft die Einheit“; Wo verläuft die Hauptkampflinie; Geschichtliche Kontinuität — wessen Traditionslinie.
Die Sommerschule soll den Teilnehmerinnen Gelegenheit bieten, Fähigkeiten für und Interessen an selbstorganisiertem Lernen und selbständiger Erkundung lokaler und regionaler Lebenszusammenhänge zu entwickeln.
Sie trägt daher ausgesprochenen Arbeitscharakter (Literaturstudien vor und während der Schule, Aussprachen, Übungen, Anfertigung von Materialien für sich und andere). Zusammen mit der Anmeldung entscheiden sich die Teilnehmerinnen für einen der o. g. Kurse und erhalten dann Vorbereitungsmaterial. Nach einer Einführung beraten, beschließen und gestalten die Kursteilnehmerinnen das jeweilige Kursprogramm. Als gemeinsames Bindeglied sind entweder ein Projekt selbständiger (biografischer) Forschung und/oder ein oder zwei Vortrags- und Diskussionsabende eingeplant.
Methodisch-methodologische Grundsätze sollten sein:
— Brückenschlag zwischen Generationen sowie zwischen Linken unterschiedlicher Herkunft, besonders auch aus Ost und West.
— Einstiege schaffen gegen die Verweigerung von Sachkompetenz durch die Herrschenden.
— Soziales Wissen als sozialen Prozeß aneignen.
— Zeit und Möglichkeit schaffen, sich selbst zu vergewissern.
— Lernen, eigene Interessen zu formulieren, kenntlich zu machen und darüber in den Diskurs zu kommen.
Ort der Schule: Hotel Hermannstein, 0—6801 Schnepfenthal, Fon: (Vorwahl Waltershausen)/29 17. Unterbringung in Zwei- oder Dreibettzimmern, Übernachtung: 18,00 DM, Vollpension: 27,00 DM. In gewissem Umfang können Familienangehörige mitkommen. Anmeldungen daher erwünscht bis 27.7.92 bei den Kontaktadressen. Das Vorbereitungsmaterial kann dort ab 10.7. abgefordert werden. Ebenfalls können dort Vorschläge und Wünsche für die Gestaltung der Kurse eingereicht werden. — (aus Polnische Berichte 14/92/Dieter Strützel. gekürzt)
Kontaktadressen u.a.t PDS-Landesvorstand Thüringen (Eislebener Str. 1, 0—5000 Erfurt, Fon: (Vorwahl Erfurt)/ 57325 13 oder 25 20 Dieter Strützel, Ottn-Worms-Slr. 19, 0—6502 Gera-Lusan, Fon: (0365) 6232605 * GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7,5000 Köln, Tel.: (0221) 21 16 58