Protest gegen Filbinger
Protest gegen Filbinger
Bei einem Festakt zur 25-Jahr-Feier der Universität Ulm am 5. Juli protestierten einige AStA-, UStA- und Fachschaftsstudenten gegen den Regierungsplan zur Wiedereinführung der Verfaßten Studentenschaft ohne politisches Mandat und gegen die Anwesenheit von Hans Filbinger. Die Studenten hatten sich Maulkörbe umgebunden und verteilten Flugblätter im Saal. Sie forderten Filbinger auf, das Podium zu verlassen. Der war als Zeitzeuge und ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg geladen. Nachdem Filbinger den Studenten ein Gespräch anbot, beendeten sie die Protestaktion. Bei dem Gespräch, an dem außerdem noch Wissenschaftsminister von Trotha, der ehemalige Kultusminister Wilhelm Hahn, Rektor, Prorektor und Kanzler der Uni sowie Alt-OB Ludwig teilnahmen, verteidigte Filbinger die 1977 erfolgte Auflösung der Verfaßten Studentenschaft als notwendige Maßnahme „gegen den politischen Terror“. Seine Marinerichtervergangenheit rechtfertigte er ebenfalls: Er sei das Opfer einer Rufmordkampagne gewesen. Der ihm vorgehaltene Ausspruch, was damals recht war, könne heute nicht unrecht sein, sei böswillig ungezählte Male zitiert worden. Tatsächlich habe er ihn nur auf den Fall eines verurteilten Fahnenflüchtigen bei der Kriegsmarine bezogen. (Anmerkung der Redakteurin der SWP: Es war ein Todesurteil.) Das schwere Urteil sei notwendig gewesen, da die Marine die Aufgabe hatte, Ostflüchtlinge zu retten und dieser Einsatz gefährdet worden wäre, wenn das Beispiel Schule gemacht hätte. „Ihr habt es hingenommen,“ warf er den Studenten vor, „daß ein Mann, der ein weißes Brustteil hat, diffamiert wird.“ Quelle: Südwestpresse — (clr)