S.C.A.L.P. im Kulturladen: Bericht über antifaschistischen Kampf in Frankreich
S.C.A.L.P. im Kulturladen: Bericht über antifaschistischen Kampf in Frankreich
Im Frühjahr dieses Jahres errang die Nationale Front (FN) unter Le Pen in Nizza 38 Prozent der Wählerinnenstimmen und wurde stärkste politische Kraft. Von 15 bis über 30 Prozent erzielt die FN fast überall in Frankreich — Tendenz steigend. Neuere Umfragen bringen die FN landesweit auf 32 Prozent. „Die FN betreibt in letzter Zeit den organisatorischen Ausbau als faschistische Massenpartei“, so berichtet S.C.A.L.P. (Section carrement Anti Le Pen), die in über 20 französischen Städten landesweit arbeitet.
Ein Vertreter von S.C.A.L.P. aus Lille wird am Dienstag den 8. September um 20 Uhr auf Einladung der Infokneipe zum Themenbereich „Faschismus und Rassismus in Frankreich“ im Kulturladen referieren und Fragen beantworten. Die S.C.A.L.P. zählt neben der CNAF (Coordination National Anti Fascite) und der sozialistischen „SOS Rasisme“ zu den drei großen AntifaOrganisationen in Frankreich. Die S.C.A.L.P. versteht sich als antifaschistische Sammelbewegung und stellt eine Alternative zur von der regierenden sozialistischen Partei aufgebauten „SOS Rasisme“ dar. „Es ist Mißtrauen angesagt gegen eine Bewegung, die in ihren Reihen Leute, wie den ehemaligen Staatssekretär für Immigration der Regierung Giscard d’Estaing, Lionel Drey, hat“, so die S.C.A.L.P., die sich auch gegen eine wachsende Immigrantinnen feindliche und nationale Politik aller etablierten Parteien bis hin zu Teilen der französischen KP ausspricht.
Mit Sorge beobachtet die S.C.A.L.P. nicht nur den wachsenden Zuspruch von Menschen, die unter der schlechten wirtschaftlichen Situation Frankreichs und dem Sozialabbau der letzten Jahre zu leiden haben. Die FN gewinnt mehr und mehr Einfluß in die Verwaltung und bei der Polizei. Außerdem übernimmt die FN eine Vorbildfunktion für die extreme Recht in Westeuropa. Die S.C.A.L.P. in diesem Zusammenhang: „Die Golfkrise macht dieses deutlich und symptomatisch: Es gibt einen Konsens der drei großen bürgerlichen Parteien für Mitterand und seiner ProNato-Politik und Unterstützung der USA. Demgegenüber unterstützt Le Pen Saddam Hussein als arabischen Nationalisten, Frankreich soll gegenüber den USA eine unabhängige Politik verfolgen und seine guten und privilegierten Kontakte zu den arabischen Ländern nicht gefährden. Le Pen versucht sich als Pazifist darzustellen, so war auf großen FN-Plakaten zu lesen: Le Pen Frieden — Mitterand Krieg“. Erst nach dieser inhaltlichen Bestimmung der NF haben sich die deutschen Faschisten dieser Argumentation angeschlossen. — (jüw)