Bericht über antifaschistischen Kampf in Frankreich
Bericht über antifaschistischen Kampf in Frankreich
Vor knapp 50 Besucherinnen war am 8. September ein Vertreter der französischen Antifa-Organisation S.C.A.L.P. (Section Carrement Anti Le Pen) in der Infokneipe in KulturLADEN zu Gast. Der Franzose gab zunächst einen detaillierten und erschreckenden Bericht darüber ab, wie weit die Organisierung der französischen Faschisten vollzogen ist. Nach neusten Umfragen liegt die Akzeptanz der Politik der Front National (FN) in der Bevölkerung bei über 30%.
Die Front National hat es geschafft, alle faschistischen Strömungen in sich aufzunehmen, von den Schlägertrupps bis zu den katholischen Integristen. Keine platten Stammtischparolen seien mehr auf den Parteitagen zu hören und auch die Nazi-Literatur und Embleme seien verschwunden, so der Vertreter der S.C.A.L.P. Le Pen habe von seinem „großen Vorbild Hitler“ gelernt, er habe ein Ziel, er will die Macht. So baut die FN im Moment sehr erfolgreich auf das Konzept in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen Einfluß zu gewinnen. Beamte in allen Verwaltungspositionen zu installieren gehört da ganauso dazu, wie den Präsidenten im Turnverein zu stellen und dies überall in den Städten, auf dem Land in ganz Frankreich, so der französische Antifaschist. Überfalle und Anschläge auf jüdische Friedhöfe, Ausländerinnen oder Linke, habe es seit knapp zwei Jahren kaum mehr gegeben, der Franzose führte dies direkt auf das Konzept der FN zurück. Selbst die Schlägertrupps scheint Le Pen unter Kontrolle zu haben. Die etablierten Parteien reden von Wahlsieg zu Wahlsieg der Faschisten immer noch von einem „Strohfeuer“, so der Franzose. Ihr politische Antwort auf die Stärke der Faschisten ist der Versuch diese politisch rechts zu überholen. Dumpfe ausländerfeindliche Hetze hat der Antifaschist von den Konservativen über die Sozialisten und Gewerkschaften bis hin zur französischen KP auf der Veranstaltung in Form von Zitaten eindrücklich dokumentiert. Er wußte zu berichten, daß inzwischen ziemlich alle parteipolitischen Vertreterinnen keine Probleme mehr damit hätten, mit Le Pen in einer Talkshow oder ähnlichem öffentlich aufzutreten.
Natürlich sei durch diese Entwicklung der antifaschistische Kampf in eine große Krise geraten. Dennoch, so der Antifaschist, gibt er den Kampf nicht verloren, wie etliche Genossinnen. „Wir müssen einsehen, daß wir Fehler gemacht haben“, analysiert er. S.C.A.L.P. setze auf Informationsarbeit vor Ort in den Stadtteilen. Sie informieren in den Schulen, auf der Straße und auf Märkten. Die gewalttätigen Schülerinnenproteste in den Vororten von Paris letztes Jahr seien perspektivlos und ohne konkretes Ziel gewesen. Hier ginge es darum, die Wut und Ohnmacht mit politischen Inhalten zu füllen. Angesprochen auf die Ereignisse in Rostock, sagte der Antifaschist: „Dies sei in Frankreich derzeit undenkbar“. Eine Unterstützung der Bevölkerung an gewaltsamen Aktionen gegen Immigrantinnen könne er sich nicht vorstellen. (jüw)