Presserklärung der Veranstalterinnen
Presserklärung der Veranstalterinnen
Die Demonstration am 11.10.1992 mit etwa 4000 Teilnehmerinnen zeigte nicht nur den Protest gegen den Landesparteitag der Republikaner im Konzil, sondern war auch ein deutliches Signal vieler Menschen, die hier leben, dem Rechtsruck im wiedervereinigten Deutschland entschieden entgegenzutreten.
Zum Verlauf der Demonstration ist festzustellen, daß sie kämpferisch und geschlossen war. Eine Vielzahl an Transparenten forderte zur Solidarität mit Flüchtlingen und zum Kampf gegen die faschistischen Brandstifter auf. Viele Menschen schlossen sich dem Demonstrationszug an. Sie vermittelten allen, die für ein solidarisches, gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen — unabhängig von Paß, Hautfarbe eintreten, Hoffnung, Mut und Kraft.
Die Kundgebungsbeiträge blieben nicht dabei stehen. Empörung und Betroffenheit angesichts der Welle rassistischer Gewalttaten gegen Flüchtlinge und Arbeitsimmigrantinnen zum Ausdruck zu bringen. Immer wieder wurde auf den Zusammenhang zwischen der seit Monaten heftig geführten Asyldebatte und den rassistischen Gewalttaten hingewiesen. Alle Rednerinnen forderten, diese Debatte endlich zu beenden und das Grundrecht auf Asyl in seiner bisherigen Form zu erhalten. Viele Rednerinnen wiesen darauf hin, daß in einem Land, in dem Leute ohne deutschen Paß gesetzlich als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, der Rassismus strukturell angelegt ist und Voraussetzung und Legitimation für den rassistischen Terror darstellt.
Diese wesentlichen Inhalte waren dem „Südkurier“ bei seiner Berichterstattung keine Zeile wert. Stattdessen wurden drei Eier mit drei Zeilen bedacht und ausführlich über „Randale“ und angebliche Unterlassungssünden der Veranstalterinnen berichtet. Wenn OB Eickmeyer mittags ein Weinfest in Konstanz eröffnet hat, hält er es auch nicht für nötig, abends „angetrunkene Zoffbrüder“ durch „seine mäßigende Anwesenheit“ zu beruhigen. Im übrigen war die Kundgebung um 14 Uhr vom Veranstalter für beendet erklärt worden.
Für uns unverständlich ist, daß die zur Demonstration aufrufenden Organisationen und Initiativen nicht beim Namen genannt wurden. Die Bezeichnung „Altkommunisten und selbsternannte Antifaschisten“ empfinden wir als diffamierend.