Birnau: Rechte Grabschänder verwüsten KZ-Gedenkstätte
Birnau: Rechte Grabschänder verwüsten KZ-Gedenkstätte
Die Verwüstung von KZ-Gedenkstätten und jüdischen Friedhöfen in der Bodenseeregion nimmt immer brutalere Formen an.
Nachdem vor 14 Tagen der jüdische Friedhof in Wangen auf der Höri geschändet wurde, ist nun die KZ-Gedenkstätte beim Kloster Birnau schwer verwüstet worden. Alle 46 Steinkreuze wurden abgeschlagen, Gedenktafel, das große Kreuz und Teile der Friedhofsmauer mit Hakenkreuzen beschmiert.
Rund 300 Menschen nahmen am Sonntag an einer spontan einberufenen Kundgebung gegen diesen Angriff auf die KZ-Gedenkstätte teil. Für den 22. November, dem Tag der traditionellen Gedenkfeier, ruft die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) zu einer weiteren Kundgebung in Birnau auf.
Die Stadt Überlingen hatte die Spuren der Verwüstung bereits am Sonntag beseitigt, anstatt die Gedenkstätte als Mahnzeichen faschistischer Umtriebe so zu belassen, wie sie von den Grabschändern hinterlassen wurde. So begrüßenswert die Einsetzung einer Sonderkommission der Polizei ist, es muß klar sein, daß nun auf breiter Front gegen Rassismus und Faschismus vorgegangen werden muß. Nach dieser barbarischen Tat und der Häufung des rechten Terrors muß alles getan werden, um die Faschisten zu isolieren, gesellschaftlich zu ächten und ihre Organisationen zu verbieten.
Im Frühjahr 1990 gingen Tausende auf die Straße, um gegen ein Viertes Reich und den großdeutschen Wahn zu protestieren. Der Staat nutzte jede Gelegenheit, um Demonstranten zu kriminalisieren. Etwas mehr als zwei Jahre danach sind Angriffe auf Flüchtlingsheime, die Zerstörung von KZ-Gedenkstätten und die Schändung jüdischer Friedhöfe an der Tagesordnung. Das von vielen befürchtete Vierte Reich nimmt unübersehbar und alle bedrohend Gestalt an. - (wmo)