Heft 22 vom 29.10.1992 4/22 scan 2026-06-06

Die Massaker am kurdischen Volk müssen verhindert werden!



Die Massaker am kurdischen Volk müssen verhindert werden!

An alle politischen, humanistischen und sozialen Institutionen und Parteien

Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß Militärangriffe und Ermordungen gegen die kurdische Zivilbevölkerung registriert werden, z. B. in den kurdischen Städten §irnak, Kulp bei Diyarbakir und zuletzt Varto. Die türkische Regierung massakriert systematisch in kurdischen Städten die zivile Bevölkerung. Dutzende von Menschen jeden Alters sind massakriert, verletzt, Tiusende sind verhaftet und werden gefoltert. 70 % dieser Städte sind vernichtet, sie gleichen einem Trümmerfeld. Die Lebensgrundlage der Bevölkerung ist völlig zerstört. Es werden nicht nur Menschen massakriert, sondern auch die Freiheit, Demokratie und die Menschenrechte; es werden Verbrechen an der Menschheit verübt. Im Namen der Menschheit soll der würdevolle Widerstand des kurdischen Volkes in der Finsternis der Geschichte begraben werden.

Für die Massaker verwendet die türkische Regierung deutsche Waffen. Inzwischen kann nicht mehr geleugnet werden, wurde auch bewiesen, daß deutsche Waffen gegen die kurdische Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Auf der anderen Seite sind wir seit längerem Zeugen von wachsenden Angriffen gegen Parteivorsitzende, Journalisten, Schriftsteller, Führer und Mitglieder demokratischer Institutionen und Verteidiger von Menschenrechten. Das letzte Beispiel dieser Angriffe ist der Schriftsteller und Journalist Musa Anter. Musa Anter, der Gründer der Partei der Arbeit (HEP) sowie der Wochenzeitung Yeni Ülke und der Tageszeitung Özgür Gündein und der Kommentator der Zeitschrift Welat ist am 20. September dieses Jahres in Diyarbakir einem geplanten Mordanschlag zum Opfer gefallen. Der 74jähriger Schriftsteller und Journalist Musa Anter ist ebenso Mitbegründer des kurdischen Instituts, der kurdischen Kulturstiftung und Mitglied des kurdischen PENClubs. Der türkische Staat, der die Lösung des Kurdistanproblems einzig durch Massaker und Morden erreichen will und auf die nackte Militärgewalt setzt, inszeniert so mit ein neues/altes Werk. Es muß endlich begriffen werden, daß das Kurdistanproblem nicht mit solchen Methoden zu lösen ist. Es müssen Bedingungen für die Verhandlungen geschaffen werden, um eine friedliche Lösung zu finden, in der das Selbstbestimmungsrecht des kurdischen Volkes im Mittelpunkt steht.

Wir fordern:

1. Es muß sofort ein Waffenembargo gegen den türkischen Staat verhängt werden.

2. Die gegen das kurdische Volk ausgeübten Massaker seitens des türkischen Staates müssen verurteilt und verhindert werden.

3. Die Parteien müssen eine klare Einstellung gegenüber diesen Massakern zeigen.

4. Es müssen Schritte unternommen werden, um die Ermordung von Journalisten und Demokraten zu verurteilen und die Menschenrechte wiederherzustellen.

Kurdischer Arbeiter- und Kulturverein Stuttgart. Vereinsvorstand, 14.10.92

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