Heft 23 vom 13.11.1992 4/23 scan 2026-06-06

Gedenkstunde für die Opfer des Faschismus



Gedenkstunde für die Opfer des Faschismus

Konstanz. Mehr als dreihundert Menschen, darunter auffällig viele Schülerinnen und Schüler, kamen am 9. November zum israelitischen Friedhof, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Oberbürgermeister Horst Eickmeyer erinnerte an die vor 1933 in Konstanz lebenden Juden, die jahrzehntelang zu den geachtetsten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Konstanz gezählt hätten, bevor sie schließlich Deportation und Ermordung ausgeliefert wurden. Er bezog sich in seiner Rede auch auf die „Wiedervereinigung“, gedachte auch dem anderen 9. November in der Geschichte Deutschlands.

Benjamin Nissenbaum beklagte die Haltung der Politiker, die zwar schon seit Jahren bei solchen Gedenkfeiern dazu mahnen, den Anfingen zu wehren, selbst aber auch nichts gegen die wachsende Ausländerfeindlichkeit unternehmen. Nun sei die Bevölkerung gefordert. Die Frage sei, ob sie es zuläßt, daß wieder Menschen um ihr Leben in Deutschland fürchten müssen.

Bei der Entgegennahme von rund 3000 Unterschriften gegen Antisemitismus, die eine studentische Initiative in den letzten Wochen gesammelt hat, warf Gideon Nissenbaum dem Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung vor, sie würden auch nicht alle Möglichkeiten ausnutzen, um gegen den Rechtsruck etwas zu unternehmen und forderte alle auf, nun selbst aktiv zu werden. — (wmo)

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