Heft 23 vom 13.11.1992 4/23 scan 2026-06-06

Aktion gegen Nazis: Polizei schlagt und würgt Antifaschisten



Aktion gegen Nazis: Polizei schlagt und würgt Antifaschisten

Singen. Am Abend des 9. November trafen sich in Singen etwa 40 Nazis der „Nationalen Offensive“ (NO) im Nebenzimmer des Lokals „Stadthof“. Antifaschistinnen aus Radolfzell, Singen und Konstanz störten die Versammlung, indem sie von außen an die Fenster klopften und Parolen riefen. Dabei ging eine Scheibe zu Bruch.

Bald darauf trafen sechs Polizisten ein und überprüften die Personalien eines Antifaschisten. Als die Polizei ihm die Kosten für die zerbrochene Fensterscheibe aufbrummen wollte, sagte der Mann, er sei nicht bereit zu zahlen, da er nachweislich mit dem Wirt hinter dem Haus diskutiert habe, als das Glas kaputtging.

Bald darauf kamen die Faschisten aus dem Lokal heraus. Der Antifaschist rief: „Nazischweine, ihr seit diejenigen, die die Friedhöfe in Birnau und Wangen zerstört haben und die zu feige sind, etwas offen zu tun.“ Ein Polizist forderte ihn auf, das Rufen zu unterlassen, er weigerte sich, aufzuhören. Daraufhin wurde er von dem Polizisten zu Boden geworfen, an den Haaren gerissen und schließlich in ein Polizeiauto geprügelt, in dem zwei Polizeihundewaren.

Der Festgenommene hat eine Tierhaarallergie und bekommt Asthmaanfälle, wenn er mit Hunden zusammen ist. Deshalb bat er darum, in ein anderes Polizeiauto gebracht zu werden. Ein Polizist sagte zu ihm, es sei ihm scheißegal, wenn er dadrin verrecken würde. Daraufhin versuchte der Festgenommene mehrmals aus dem Auto rauszukommen, wurde aber jedesmal wieder reingeprügelt.

Eine Frau, die dieses beobachtete, fragte, wer der Einsatzleiter sei. Sie wurde von einem Polizisten gepackt und an einen Baum geschleudert.

Offensichtlich wurde das Vorgehen seiner Kollegen einem der Polizisten zuviel. Er holte den Eingesperrten aus dem Auto mit den Hunden um ihn in ein anderes Polizeifahrzeug zu bringen. Daraufhin stürzte sich der Einsatzleiter auf den Festgenommenen würgte ihn und schleuderte ihn auf den Boden.

Währenddessen wurde ein anderer Antifaschist von dem Nazi Holger Schwärmer geschlagen. Polizisten schauten eine Weile zu, ohne einzugreifen. Schließlich sagte einer der Beamten: „Holli, komm, es reicht jetzt!“.

Der festgenommene Antifaschist wurde auf die Wache mitgenommen und dort in ein kleines Zimmer gesperrt. Er sagt, er habe den Namen des Einsatzleiters wissen wollen und sei daraufhin wieder geschlagen worden. Mehrere Zeuginnen, unter ihnen auch der mittlerweile auf der Wache eingetroffene Rechtsanwalt des Geschlagenen, hörten dessen Hilferufe. Der Antifaschist sagt, er habe mehrere Beamte um Hilfe gebeten, die hätten aber nur gelacht.

Als der Festgenommene schließlich gehen durfte, ging er ins Krankenhaus, wo ihm eine dicke Beule, eine Schädelprellung und Würgemale am Hals bescheinigt wurden. - (db)

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