Heft 25 vom 11.12.1992 4/25 scan 2026-06-06

Demonstration des Konstanzer DGB gegen Rassismus, für soziale Politik



Demonstration des Konstanzer DGB gegen Rassismus, für soziale Politik

Konstanz. Gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, für die Wende zu einer sozialen Politik demonstrierten am 2. Dezember etwa 250 Menschen auf dem Gottmannplatz in Konstanz.

Die Gewerkschafterinnen gedachten der Ermordeten von Mölln und aller Opfer von Haß und Gewalt. Die Saat des jahrelangen nichtstuns und des jahrelangen Sozialabbaus in Deutschland gehe auf, sagte die DGB-Kreisvorsitzende Gisela Reitzammer-Maier. Es sei wichtig, die Symptome, sprich die Gewalttäter, zu bestrafen. Notwendiger aber sei es, die Ursachen des Neides, des Hasses, der Gewalt und der damit verbundenen verlorenen Moral, zu bekämpfen. Der Nährboden sei in der Bundesrepublik seit mehr als zehn Jahren gewachsen.

Wer es zulasse, daß immer mehr Menschen an den Rand des Ruins gedrängt werden, daß Massenarbeitslosigkeit bereits zum Alltäglichen gehöre, daß der soziale Wohnungsbau auf gleich Null herabgefahren werde, daß immer mehr Rentnerinnen und Rentner von der Sozialhilfe leben müßten, daß Jugendliche bereits in der Schule Zukunftsängste haben, daß eine seit Jahren propagandistisch geführte Asyldebatte den Menschen hier suggeriere, sie wären hier nicht mehr sicher, brauche sich über die tragischen Auswirkungen heute nicht zu wundern. Die zunehmende Fremdenfeindlichkeit dürfe nicht isoliert vom gesellschaftspolitischen Klima in der Bundesrepublik gesehen werden. Es sei schon zu spät, den Anfängen zu wehren, sagte die DGB-Kreisvorsitzende. Aber aufzuwachen und die Demokratie zu verteidigen, dazu fordere sic auf. — (db)

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