High-Tech-Flaute
High-Tech-Flaute
Die Meldungen aus den Führungsetagen der in Baden-Württemberg tätigen Konzerne sind nahezu identisch: Konjunktureinbrüche und Strukturprobleme treffen die von der Landesregierung massiv geförderten High-Tech-Produktionen. Die Konzerne antworten darauf mit weiteren Kostensenkungs- und Sparprogrammen, Umstrukturierungen, die bis hin zur Auflösung ganzer Geschäftsfelder gehen, sie führen massiven Personalabbau in Größenordnungen von mehreren zehntausend Beschäftigten durch.
Als Beispiel die Siemens AG: die Umstrukturierung der Geschäftsfelder 1988 sollte die Nähe zum Markt und die Schlagkraft des Konzerns erhöhen. Tatsächlich sind vor allem die zentralen Führungsebenen gestärkt worden mit Neuerscheinungen wie der „Hauptabteilung Unternehmensstrategien“ oder der „Zentralabteilung Unternehmensplanung und -entwicklung“. Die Konzernführung hat sich damit Instrumente geschaffen, relativ zügig komplette Geschäftsfelder abzustoßen oder ganze Bereiche vollständig umzustrukturieren.
Im laufenden Geschäftsjahr soll die Belegschaft konzernweit um 10000 bis 1500Ö Beschäftigte verringert werden. Siemens hat allein in Karlsruhe innerhalb von drei Jahren von 8 500 auf 5 800 Beschäftigte reduziert. Dieses Jahr sollen weitere 500 entlassen, abgefunden, oder aus persönlichen Gründen (Fluktuation) aus dem Konzern ausgeschieden werden. Die für die Auslastung des Werkes nötigen Großprojekte im Bereich der Automatisierungstechnik und Prozeßleittechnik bleiben schon seit längerem aus und die seit Mitte der achtziger Jahre auf modernste High-Tech- £ Verfahren ausgerichteten Produktionsanlagen, um die überhitzte Konjunktur zu bedienen, fahren nicht die erwarteten Profite ein. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll im Bereich Automatisierungstechnik eine Produktivitätssteigerung um 20 Prozent durchgesetzt werden; entweder durch Ausdehnung des Geschäfts — daran glaubt derzeit niemand — oder durch Reduzierung der Kosten um 20 Prozent. Die Umschichtungen in der Belegschaft sind erheblich. Umbesetzungen und Personalverleih sind derart zur Regel geworden, daß sich kaum noch nennenswerter Widerstand dagegen regt. Zunehmend gelingt es jetzt auch, Facharbeiter in die Produktion zu zwingen. Sonderfertigung und Werkzeugbau — klassische Facharbeiterbereiche — sind dem Produktionsmanagement bereits unterstellt, mit den entsprechenden Auswirkungen auf das betriebliche Lohn- und Gehaltsgefüge. — (map)