Heft 4 vom 18.02.1993 5/4 scan 2026-06-19

ZF: Keine Entlassungen, solange Kurzarbeit möglich



ZF: Keine Entlassungen, solange Kurzarbeit möglich

Friedrichshafen. Geschäftsführer Arnreich konfrontierte die Belegschaft der Zahnradfabrik Friedrichshafen auf der Betriebsversammlung am 18. Dezember mit einer Hiobsbotschaft: dramatische Auftragseinbrüche machten es notwendig, 900 Leute bis Ende 93 abzubauen. Inzwischen sollen 1200 von nicht ganz 7000 Beschäftigten abgebaut werden.

Entlassungen waren bisher bei der ZF tabu. Die Geschäftsleitung will die Verunsicherung der Belegschaft durch Auftragseinbrüche und Kurzarbeit nutzen, Rationalisierungsprogramme in schärferer Gangart durchzuziehen, Produktionszweige zu verlagern, die Fertigungstiefe zu verringern und die Belegschaft auf eine kleine Stammmannschaft zu reduzieren, die bei Bedarf durch Leiharbeiter ergänzt wird.

Der Betriebsrat fordert, für die konjunkturbedingten Auftragseinbrüche müßten alle Möglichkeiten der Kurzarbeit genutzt werden. Der Betriebsrat sieht Umstrukturierungen als notwendig an. Es sei aber unsinnig, erst das Personal abzubauen und dann zu überlegen, wie die Arbeit erledigt werden soll. Die Personalzahlen seien nach der Methode gerechnet, Einsparziel geteilt durch Durchschnittsverdienst gleich 1200 Personen müssen weg. Diese Einsparmethode würde sich zwar am schnellsten in der Bilanz niederschlagen. Dies würde aber notwendige Umstrukturierungen, die Wirtschaftlichkeit des Standorts längerfristig zu sichern, geradezu verhindern.

Jetzt sollen Verhandlungen um einen „Interessenausgleich“ aufgenommen werden. Im Betriebsverfassungsgesetz ist vorgesehen, die Interessen der Unternehmer mit denen der Beschäftigten „auszugleichen“. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Recht und Gesetze geben wenig her.

Es wird ein Kraftakt werden: das Werk Friedrichshafen nicht nur als Entwicklungs- und Steuerzentrale sondern als Produktionsstandort mit möglichst vielen Arbeitsplätzen zu erhalten. — (red)

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