Heft 5 vom 04.03.1993 5/5 scan 2026-06-19

Definitives Aus für Uni-Frauenförderung



Definitives Aus für Uni-Frauenförderung

Konstanz. Der Senat der Universität Konstanz traf sich am Mittwoch der letzten Semesterwoche zu einer Sitzung, um über die Finanzierung der Stelle einer Frauenreferentin zu entscheiden. Die Studierenden haben eine halbe Stelle beantragt, die zusammen mit bereits bewilligten Landesmitteln die Aufstockung zu einer ganzen Stelle ermöglichen würde. Jetzt ist klar: Die Uni wird kein Geld für die Frauen-Referentinnen-Stelle zur Verfügung stellen. Leitung und Verwaltung der Universität übten schon im Vorfeld Druck auf den Senat aus, indem sie bei Zustimmung für die halbe Stelle eine Einsparung an anderem Ort verlangten. Schließlich wurde im Senat mit fünf Ja- und neun Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen der Antrag von Studentinnenseite abgebügelt.

Wir erinnern uns: Die Arbeitsförderungsmaßnahme (ABM) für die jetzt tätige Frauenreferentin läuft zum 31. März 1993 aus. Das Land lehnt die bei Einrichtung der Stelle vor zwei Jahren versprochene volle Weiterfinanzierung ab. Ein kleiner Achtungserfolg konnte jedoch erzielt werden. Statt 50000 DM stellt das Land nun 60000 DM bereit. Vom 1. April an wird nun eine halbe Kraft ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Auswirkungen des frauenfeindlichen Beschlusses sind bereits jetzt absehbar. Die Referentin wird durch grundsätzliche Aufgaben wie Stipendienberatung und Teilnahme an Gremien so ausgelastet sein, daß kein Platz mehr für wirksame Frauenförderung bleiben wird.

Man wird den Verdacht nicht los, daß die ökonomische Krise des Kapitalismus und der damit zunehmende Verteilungskampf um knappe staatliche Finanzmittel patriarchalische Herrschaftsstrukturen zementiert. So wie Frauen zuerst vom Arbeitsmarkt in die „stille Reserve“ gedrängt werden, sind sie auch die ersten, deren Aufstiegsmöglichkeiten im Wissenschaftsbetrieb behindert werden — immerhin sind schon drei Prozent (!) der Professuren mit Frauen besetzt. — (frh)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.