Konstanzer Jugendzentrum: Initiative fordert Mitsprache bei Gestaltung
Konstanzer Jugendzentrum: Initiative fordert Mitsprache bei Gestaltung
Das Jugendzentrum soll im Sommer nach zweijähriger Bauzeit eröffnet werden. Bei einer Ortsbesichtigung überzeugte sich der Gemeinderat vom Fortschritt der Umbaumaßnahmen. Nach Einschätzung von Brigitte Reiser von der SPD läuft offensichtlich alles wie geplant.
Diese Auflassung wird von der Initiative „Unser Juze“, die sich am 17.2. gegründet hat, nicht geteilt. Noch im letzten Herbst gab es unter den Fraktionen im Gemeinderat einen Wettstreit darum, wer sich mehr um die Interessen der aus dem Juze vertriebenen Jugendlichen kümmert. Als eher taktisches Manöver müssen die beiden Veranstaltungen der CDU gesehen werden auf denen über das Jugendzentrum gesprochen wurde (Korn. Berichte 2/93). Jetzt, wo es um die Ausgestaltung der Räumlichkeiten geht, werden die Jugendlichen wieder einmal übergangen. Deshalb haben sie sich in dieser Initiative zusammengeschlossen. Im folgenden drucken wir die Selbstdarstellung der Initiative ab.
„Wir möchten uns mit unserer neu gegründeten Initiative „Unser Juze“ vorstellen.
Zu unserer Gründungsversammlung am 17.2.93 erschienen 27 Jugendliche. Im Verlauf dieses ersten Treffens haben wir uns durch die Wahl von Sprechern, Kassenwartin etc. weitgehend organisiert. Ordentliches Treffen ist alle zwei Wochen.
Als unsere Aufgabe betrachten wir, Politiker an ihre Versprechen gegenüber Jugendlichen — was Mitsprache zum Thema Jugendzentrum betrifft — zu erinnern und als Ansprechpartner zu fungieren.
Grundidee war, die Bemühungen Einzelner zusammenzufassen und ein Sprachorgan für eine pluralistische Gemeinschaft interessierter Jugendlicher zu bieten.
Gemeinsam sind wir der Auffassung, daß das Angebot der Jugendfreizeit, nach einer bald zweijährigen Phase der quasi nichtexistenten freien Jugendarbeit, schon mit der Fertigstellung des Juze-Rohbaus beginnen müßte. Beispielsweise müßten Jugendliche an der Gestaltung des Hauses maßgeblich beteiligt werden. Dies würde sicherlich eine bessere Identifikation mit dem neuen Juze ermöglichen, als wenn man sich bis zur Eröffnung gedulden muß, und sich dann entscheiden kann, ob einem das was Erwachsene für gefällig halten bekommt oder nicht. Desweiteren möchten wir in nächster Zeit auch selber Veranstaltungen zum Thema „Jugend, Juze & Jugendarbeit“ durchfuhren. Ganz spontan hat sich eine Kochgruppe gebildet, die (zunächst erst mal eine) dieser Veranstaltungen kulinarisch-vegetarisch versorgen möchte. Problematisch ist hier noch die Frage der Räumlichkeiten. Auch mit unseren zweiwöchigen Plenen stoßen wir wegen steigender Mitgliederzahlen (derzeit 53 Mitglieder) auf ernsthafte Raumprobleme. Hier möchten wir bei der Stadt anfragen, ob ev. Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind. Im Moment sind wir vollkommen auf Terminlücken des Kulturladens und des ev. Jugendhauses (welches räumlich auch begrenzt ist) angewiesen.
Nun, da wir Sie über unsere Ideen uns Ziele ein wenig informiert haben, hoffen wir auf Ihre Unterstützung und/oder Kritik.
Zum Schluß möchten wir uns noch bei der Schulleitung des Humboldt- und Susogymnasiums bedanken, da diese uns nicht untersagten unsere Arbeit bei den Schülerinnen vorzustellen.“
Am 23. März soll im Jugendhilfeausschuß über die inhaltliche Konzeption des Juze gesprochen werden. So wie bisher mit den Jugendlichen umgegangen wurde, ist kaum anzunehmen, daß auf die erhobenen Forderungen eingegangen wird. Vielmehr ist zu erwarten, daß die inhaltliche Konzeption in Richtung angepasste Jugendarbeit unter den Fittichen der Stadt geht. - (wmo)