Hertie wirds freuen: „Augustinergarage“ wird eröffnet
Hertie wirds freuen: „Augustinergarage“ wird eröffnet
Konstanz. Grund zur Freude hat in Kürze der Hertie-Konzern: nach langen Jahren wird am 2. April ein Bauwerk eingeweiht, das die Kassen klingeln lassen wird. Die jetzt fertig gestellte Tiefgarage am Augustinerplatz kann geradezu als Symbol für die bürgerfeindliche Wirtschaftspolitik stehen, die der Bürgerblock im Konstanzer Gemeinderat seit vielen Jahren betreibt.
„Augustinergarage“ haben die städtischen Verantwortlichen das Monstrum wahrscheinlich getauft, um nicht gar zu offenkundig werden zu lassen, daß hier mit städtischen und staatlichen (mithin also unseren) Geldern dem potenten Einzelhandelsriesen eine Kundentiefgarage gebaut und gratis zur Verfügung gestellt wurde.
Daß es beim Bau des schon 1986 vom Gemeinderat beschlossenen Projekts zu peinlichen Pannen kam, die der Stadt überregional blamable Schlagzeilen einbrachten, ist kein Trost. Denn daß das Ding am Augustinerplatz lange Monate einfach nicht weiter in den Erdboden versinken wollte, hat die Bevölkerung letztendlich nur einige weitere Millionen gekostet, auch wenn städtischerseits behauptet wird, die mit dem Bau betrauten Firmen hätten die Mehrkosten selbst berappen müssen. Unter dem Strich hat die Konstanzer Bevölkerung den Hertie-Konzern mit um die 20 Mio. DM subventioniert.
Als trauriger Clou dieser sowieso tristen Geschichte kann jedoch gelten, daß Gemeinderat und Verwaltung mit dem als Schlüsselprojekt der Altstadtsanierung apostrophierten Bau das offizielle Gerede von autofreier Innenstadt und Umweltschutz wieder einmal eindrucksvoll ad absurdum geführt haben. Insgesamt 288 Autos sollen darin nach der Eröffnung Platz finden, mehr als viermal so viel wie ehedem auf der Marktstätte, von der sie vor noch nicht langer Zeit verbannt wurden — bürgerliche Kommunalpolitiker aller Couleur sprachen damals von einem Markstein auf dem Weg zur autofreien Innenstadt. Durchaus möglich, daß wir uns in Kürze inmitten von Fahrzeugströmen, die sich ihren Weg in die Tiefgarage bahnen. nach den friedlichen Tagen zurücksehnen, in denen kaum 80 Autos Parkplätze auf der Marktstätte fanden. — (jüg)