Mercedes-Benz: Wie soll es weitergehen?
Mercedes-Benz: Wie soll es weitergehen?
Für die Vertrauensleuteversammlung bei Mercedes-Benz in Untertürkheim schrieben Betriebsräte und Vertrauensleute Anfang März in einem Diskussionspapier unter der Überschrift „So geht’s nicht weiter“:
„Notwendige Forderungen im Zusammenhang mit Kurzarbeit: Keine Entlassungen in 1993 und 1994, Aufzählung des Kurzarbeitergeldes auf 100%, Bündelung von Kurzarbeitstagen so, daß Lohneinbußen geringer bleiben (acht und mehr Tage), bessere Abstimmung zwischen den Betriebsräten der Werke bei Festlegung der Kurzarbeitstage. Arbeitszeit: Die Firma will die Ausweitung und Flexibilisierung der Nutzungszeiten. Wir aber brauchen zur Beschäftigungssicherung weiter die Regelung bei höchstens acht Stunden pro Tag. Der Samstag muß frei bleiben. Die weitere tägliche Arbeitszeitverkürzung und das Vorziehen der 35-Stunden-Woche muß auf die Tagesordnung. Leistungsverdichtung: ProfitCenter-Organisation, schlanke Produktion, KVP führen bereits jetzt zu sozialen Problemen, die nicht mehr tabu sind. Arbeitsplätze für die Älteren und Schwächeren werden dabei systematisch abgebaut. Es ist nicht mehr hinnehmbar, daß ständig an der Leistungsschraube gedreht wird. Vier-, Fünf- oder noch mehr Maschinenbedienung macht schon den jüngeren und gesunden unter den Kolleginnen und Kollegen zu schaffen und degradiert sie zu Robotern. Deshalb müssen wir die Leistungsschraube aufhalten. Sie macht alle unsere Bemühungen um eigenverantwortliche, kreative, motivierende und solidarische Arbeit zunichte. Es kann nicht unser Ziel sein, daß man mit 45 schon die Tage zur Rente zählt. Abbau Sozialleistungen: Weihnachtsgeld, übertarifliche Zulagen, Jubilarverschickung/Jubilarurlaub, Höhe der Anpassung bei der Betriebsrente, Sonderzahlungen, Entfernungszulage, Kantinenzuschüsse, Belegschaftsaktien ... alles wird durch die Werkleitung in Frage gestellt, nichts mehr ist tabu. In der Diskussion heute muß es darum gehen, die bisherige Sprachlosigkeit zu durchbrechen. Betriebsrat und IG Metall müssen für die Belegschaft wieder klar als Interessenvertretung sichtbar werden. Es kann nicht hingenommen werden, daß ab 45 als einzige Hoffnung eine Vorruhestandsregelung bleibt!“ (dal)