Heft 10 vom 14.05.1993 5/10 scan 2026-06-19

„Haus der Heimat“: Leiter seines Amts enthoben



„Haus der Heimat“: Leiter seines Amts enthoben

Der Leiter des „Hauses der Heimat“ in Stuttgart, Albert Reich, wurde am 6. Mai von Innenminister Birzele seines Amtes enthoben. Ein Brief von Reich beweist seine faschistischen, und rassistischen Überzeugungen und seine Verbindungen zu Rechtsextremisten. Das Innenministerium gab zu, von der Existenz des Briefes gewußt zu haben. Es hatte Reich bisher nur von der Leitung der Bibliothek des „Hauses der Heimat“ entbunden und anklingen lassen, arbeitsrechtlich seien keine Schritte gegen die Umtriebe Reichs möglich. Inzwischen hat sich der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Baden-Württemberg, Staatssekretär Gustav Wabro (CDU), von Reich distanziert. Die zitierten Ansichten Reichs hätten im BdV keinen Platz. Nach einer Vorstandssitzung legte Reich seinen Sitz im BdV-Vorstand und weitere Ämter in Vertriebenenorganisationen nieder. Finanzminister MayerVorfelder, der Reich bisher verteidigt hatte, ging inzwischen auf Distanz. Nur „Republikaner“-Vorsitzender Schlierer nimmt ihn noch in Schutz: Gegen Reich laufe eine Lügenkampagne.

Der DGB-Vorsitzende Pommerenke forderte Aufklärung, wer verantwortlich sei, daß Reichs „rechtslastige Umtriebe“ jahrelang verborgen geblieben seien. Die Grünen im Landtag stellten den Antrag auf Schließung des „Hauses der Heimat“: Die Konzeption des Hauses der Heimat als eine vom Land getragene Einrichtung sei von Anfang an falsch gewesen. Damit ist vorsichtig umschrieben, daß dieses Haus von der Filbinger-Regierung gegründet wurde, um revanchistische Umtriebe zu organisieren, und von Anfang an mit Wissen der Landesregierung faschistische Organisationen das Haus benutzten. — (ulk)

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