Sonnenhaldeschule: Eltern bestätigen Vorwürfe Oberschulamt muß Rückzieher machen
Sonnenhaldeschule: Eltern bestätigen Vorwürfe Oberschulamt muß Rückzieher machen
Der Empörung, der Schulleiter Zintgraf gegenüber der Stadtverwaltung öffentlichkeitswirksam Ausdruck verlieh, folgte prompt ein Rückzieher. Noch Ende April „verwahrte“ sich der Leitende Schulamtsdirektor gegen Vorwürfe der Lehrerin Monika Grimm, an der Sonnenhaldeschule seien Klassen nach sozialer Herkunft zusammengestellt worden. „Die von Frau Grimm beschriebene Praxis der Zusammensetzung von Klassen trifft weder für die Gegenwart noch für die Vergangenheit zu.“ Zintgraf genügten für diese vollmundigen Behauptungen die Aussagen der Rektorin Geissler, die ihm offenbar von vornherein mehr zählten, als solche der Lehrerin Grimm.
Auch vor dem Schul-, Sport- und Bäderausschuß der Stadt, der sich auf Antrag der Freien Grünen Liste des Themas angenommen hat, nahm der Schulbürokrat den Mund ähnlich voll: die „Herkunft spielte keine Rolle“, behauptete Zintgraf und beklagte gleichzeitig den „Negativtouch“ den die Schule erlitten habe. Diesen gelte es zu korrigieren. Auf Kosten der Wahrheit? Und was haben, wenn die Vorwürfe zutreffen, eigentlich die betroffenen Kinder erlitten?
Wenige Tage später schon brach die Position des Oberschulamts, des Schulleiters und der Rektorin fast vollständig zusammen. Der Grund: Ehemalige Elternvertreter der Klassen la und 1b der Sonnenhaldeschule meldeten sich mit einem Schreiben zu Wort, in dem sich sich vor die Lehrerin Grimm stellten. Sie bestätigten Schulamtsleiter Zintgraf, „im Schuljahr 1991 habe die Zusammenstellung nicht den Vorschriften entsprochen“. In der zur Diskussion stehenden Klasse la habe es im Gegensatz zu anderen einen Ausländeranteil von30% gegeben.
In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Die chaotischen Zustände in der Klasse von Frau Grimm führten schon in den ersten Monaten dazu, daß die Brutalität in der Klasse die Höchstgrenze des tolerierbaren Maßes überschritt, der Unterricht nur noch im Sinne von Maßregelungen möglich war, und Eltern fluchtartig ihre Kinder aus der Klasse nahmen. Die Fluktuation von September bis Dezember 1991 betrug rund 30 Prozent Ab- und Zugänge. Versuche der Lehrerin und der Eltern, die sich in dieser Phase wöchentlich traten, die Situation mit der Schulleiterin in den Griff zu bekommen, schlugen fehl..."
Das Oberschulamt hat nach dieser tur die eigene Position vernichtenden Stellungnahme nun zumindest teilweise eingelenkt: es verzichtet auf die Weiterverfolgung von disziplinarrechtlichen Vorwürfen gegen die Lehrerin Monika Grimm. Diese wurde überraschend auch wieder diensttauglich geschrieben und ist aufgefordert worden, sich beim Schulamt zu melden. Gleichzeitig versucht man von Freiburg aus offenbar jedoch, der Lehrerin aus anderen Gründen doch noch etwas anzuhängen. Diese habe sich geweigert, sich wegen eines fachärztlichen Untersuchungstermins mit einer Rehabilitationsklinik in Verbindung zu setzen. Ihr Angebot, einen Konstanzer Internisten aufzusuchen, zähle nicht. Das alles, obwohl das Gesundheitsamt inzwischen bescheinigte, eine weitere fachärztliche Untersuchung könne entfallen. Offenbar soll die kritische Lehrerin unter allen Umständen gemaßregelt werden. = (jüg)