Heft 1 vom 21.01.1994 6/1 scan 2026-07-31

Aktionen gegen Nazi-Zeitungen

Jugend gegen Rassismus


Jugend gegen Rassismus

Aktionen gegen Nazi-Zeitungen

Über hundert Jugendliche beteiligten sich am 18.12. in Ottenburg an einer Demonstration gegen Kioske, die Nazi-Zeitungen führten.

Zuvor hatten Genossinnen von JRE und Antifa alle Kioske nach der Nationalzeitung und ähnlichem Dreck durchgecheckt. Wo sie fündig wurden, verlangten sie ein Gespräch mit der Geschäftsleitung. Einige Kioske versuchten sich herauszureden, sie könnten Zeitungen nicht einfach abbestellen, sondern seien vom Grossisten, der Schmitt KG in Heidelberg, zur Abnahme verpflichtet. Die pfiffigen Genossinnen konterten, alle anderen Kioske hätten ihr Sortiment bereits entnazifiziert, was zu dem Zeitpunkt zwar noch nicht so ganz der Wahrheit entsprach, dafür aber die Kioskbesitzer so unter Druck setzte, daß es als eine Art selbsterfüllende Prophezeiung wirkte. Jedenfalls versprachen sämtliche Kioskbesitzer, auch sie werden die Faschistenzeitungen aus ihrem Sortiment nehmen. Der Geschäftsführer einer Kaufhauskette informierte uns, daß die Belieferung mit Zeitungen, die nicht „laufen“, nach einem Vierteljahr vom Grossisten automatisch eingestellt würde. Er müsse also die Nationalzeitung noch einige Zeit beziehen, da er sie nicht von heute auf morgen kündigen könne. Er wies aber die Verkäuferin am Zeitschriftenstand an, sie ab sofort nicht mehr zum Verkauf auszulegen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Selbstverständlich überprüften die Genossinnen von JRE und Antifa regelmäßig die Kioske. Einer besaß die Frechheit, die Nationalzeitung hinter der FAZ zu verstecken, so daß öffentlichkeitswirksamere Aktionen angesagt waren. JRE und Antifa mobilisierten zu einer Demo „Raus mit der Nationalzeitung aus Offenburger Kiosken“ und überreichten diesen Demoaufruf, in dem der widerspenstige Kiosk namentlich genannt wurde, dem Geschäftsführer. Dieser warf uns Erpressung vor und verständigte die Kriminalpolizei, sah sich aber so unter Druck gesetzt, daß er seitdem keine Faschozeitung mehr ausliegen hat. Als dann die Demo zur Zwischenkundgebung vor seinem Kiosk aufzog, schickte er nach dem Redebeitrag eines JRElers seine Frau nach draußen, die der Demo versicherte, auch in diesem Kiosk werde die Nationalzeitung nie mehr verkauft werden. Offenburg ist also nazizeitungsfreie Zone, und in den nächsten Wochen werden wir die Zeitungskioske der umliegenden Städte aufsuchen und dort, falls erforderlich, davon berichten, wie lästig und geschäftsschädigend die JRE werden kann, wenn — wie im Falle unseres widerspenstigen Offenburger Kioskes — ein aufklärendes Gespräch nicht die gewünschte Wirkung zeigt. — (JRE Offenburg, Antifa Offenburg, aus CL-Netz)

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