Heft 3 vom 03.02.1994 6/1 scan 2026-07-31

6 000 gegen v. Trotha

Landesweite Studentendemonstration


Landesweite Studentendemonstration

6 000 gegen v. Trotha

Bei einer Veranstaltung in Tübingen ließ Klaus von Trotha verlauten, das letzte, was er Jetzt gerade brauchen könne, seien 4000 demonstrierende Studierende in Stuttgart.

You want it? — You got it! 6000 Studentinnen und Studenten aus ganz Baden-Württemberg und sogar aus Frankfurt hatten sich am letzten Mittwoch, dem 19. Januar 1994, in Stuttgart zwischen KI und KII eingefunden, um von Trotha zu bescheren, was ihm gerade noch gefehlt hatte. Und wir kommen bestimmt noch öfter! Für mehr Mitbestimmung und für eine demokratische Hochschulreform sprachen und sangen sich die Demonstrantinnen aus — und gegen Studiengebühren in jedweder Form. Zwischen 13 und 14 Uhr sammelten sich die Massen zwischen den UniHochhäusern und swingten und funkten mit einer ABI 94 Band aus Waiblingen.

Die Musik hat wohl dem Rektoramt und dem Hausdienst nicht so gut gefallen, denn um Punkt 14 Uhr sollte uns der Strom abgestellt werden. Im Zentralen Fachschaftsbüro gingen dann auch die Lichter und die Computer aus, ohne besonderen Effekt für die Kundgebung. Tja, nur die richtigen Profis wissen wohl, wo sie den Strom unterbrechungsfrei hernehmen, gell? Am Schloßplatz angekommen, wurde der Zug von einem Freiburger Kabarettisten empfangen, der im 98. Semester altgriechische Philatelie (oder so ähnlich) studiert. Seine zentrale Aussage war einfach „der Kanzler lügt“ und „von Trotha auch“. Und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gaben mehrere Dutzend Studierende noch ihr letztes Hemd.

Am Donnerstag behauptete der Wissenschaftsminister zum Thema Studienreform in SWF3 steif und fest, daß er die Studierenden bereits vor etwa drei Jahren um ihre Meinung zur Studienreform gefragt hätte, daraufhin aber so gut wie keine Vorschläge bekommen hätte. Also hätte sich die ganze Reform selbst ausdenken müssen. Was er nicht ganz klar und deutlich gesagt hat: die damalige Aktion war ein Preisausschreiben, und von Studienreform und Gesetzesänderung war überhaupt nicht die Rede. Wir hoffen, daß dieses Beispiel Schule macht, und die Bundesregierung etwa die Neuregelung des Paragraphen 218 als Preisrätsel ausschreibt. Wär doch was, oder nicht, oder wohl, oder doch?

(aus WAS, Informationen der FachschaftsvertreterInnenversammlung Stuttgart)

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