Walter Eyermann zum „Eumel-Brand
Walter Eyermann zum „Eumel-Brand
Mit „Betrachtungen und Gedanken“ hat Walter Eyermann ein Rundschreiben seines Büros für „Haus und Wohnwirtschaft“ übertitelt, in welchem er sich zum Brandanschlag vom 5. Juni 1993 am Eumelhaus in der Konstanzer Huetlinstraße äußert. Eyermann ist nicht nur Hausverwalter dieses und vieler anderer Häuser in Konstanz, sondern auch seit Jahrzehnten aktiv in der Kommunalpolitik. Zuletzt war er Fraktionsvorsitzender der rechten Bürgergemeinschaft Konstanz und zuvor Gemeinderat für die NPD. In dieser Zeit machte Eyermann gegen die „Langhaarigen“ mobil und gründete eine Bürgerwehr gegen „Gammler“. Dieser Hetze fiel 1972 ein 17-jähriger Lehrling zum Opfer, der von einem aufgehetzten Aktivisten vor dem Kaufhaus Hertie, damals ein Treffpunkt der Konstanzer Jugendbewegung, erschossen wurde.
Zum „Eumel“-Brand beklagt er nun in seinem Rundschreiben, daß nicht der türkische Wirt, sondern der „deutsche Eigentümer“ den Hauptschaden zu tragen habe. Er bemängelt, daß der baden-württembergische Innenminister Frieder Birzele am Tag des Anschlages nicht anreiste, weil ein „Konstanzer Haus“ gebrannt habe, sondern weil der Gastwirt ein türkischer Staatsbürger ist. Eyermann stellt sich diesbezüglich die Frage: „Heißt er Frieder oder Mustafa Birzele?“ Den über 2000 Demonstrantinnen, die sich am Tag des Anschlags, eine Woche nach den Solinger Morden, zu einer Demonstration gegen rassistische Gewalt in Konstanz versammelt hatten, wirft Eyermann gar vor, deren „Schuldzuweisungen“ hätten eine “volksverhetzende Wirkung“. Er meint damit offensichtlich eine „Volksverhetzung an den Deutschen“. Als Indiz für eine solche führt er das Mitfuhren von türkischen Fahnen und Transparenten an, die sich gegen deutschen Rassismus richteten.
Der auch heute noch in Konstanz in weiten Kreisen angesehene und einflußreiche Eyermann schließt sein Rundschreiben mit dem Satz: „Für uns ist die Wiedereröffnung der Anlaß, Ihnen diese Betrachtungen und Gedanken zuzusenden.“ — (jüw)