Heft 4 vom 17.02.1994 6/4 scan 2026-07-31

Kommt Linke Kandidatur zustande?



Kommt Linke Kandidatur zustande?

Der Konstanzer Arbeitskreis linke, antifaschistische Kandidatur hat ein Zwischenresumee seiner bisherigen Arbeit gezogen und — trotz einiger skeptischen Untertöne — den Willen bekräftigt, bei den Kommunalwahlen am 12. Juni mit einer eigenen Liste anzutreten. Dafür votierte die große Mehrzahl der Anwesenden auf einem öffentlichen Treffen des AKs Anfang Februar.

Zuvor war von verschiedener Seite betont worden, daß eine linke Kandidatur wohl wenig sinnvoll sei, wenn sie nur den Zweck verfolge „Flagge zu zeigen“. Als diesbezügliche Gretchenfrage habe zu gelten, ob man es für realistisch halte, ein linkes GemeinderatsMandat zu erringen und damit Politikansätze zu stärken, die sich an antifaschistischen Grundsätzen und den Interessen von armen Leuten orientieren. Wenn nicht, könne die nötige Energie sinnvoller andersweitig verwendet werden. Obwohl in der Diskussion ebenfalls fast einhellig konstatiert wurde, daß cs im Vergleich zur Situation vor den letzten Kommunalwahlen 1989 heute weniger linke und alternative Initiativen in Konstanz gibt, hielt es die Mehrzahl der Anwesenden doch für möglich, einen Gemeinderatssitz zu erringen. Dafür spreche nicht nur das damalige nur knappe Scheitern, sondern auch das weit über den Arbeitskreis hinaus von vielen Leuten geäußerte Interesse an einer erneuten linken Kandidatur. Immerhin, so wurde Skeptikern entgegengehalten, könne ein Gemeinderatssitz auch den (außerparlamentarischen) Initiativen wieder etwas Auftrieb verleihen. Außerdem sei es wichtig, die politische Auseinandersetzung auf solch wichtigen Feldern wie dem Antifaschismus und dem Kampf gegen den Sozialabbau auch auf Gemeinderatsebene zu führen — Feldern auf denen die grüne und sozialdemokratische Opposition nicht gerade durch Aktivitäten glänze.

Trotz dieser mehrheitlich demonstrierten Entschlossenheit der Anwesenden bei dem Treffen könnte die Kandidatur aber doch noch scheitern. Denn es haben sich inzwischen zwar schon mehr als 20 Leute gefunden, die bereit sind zu kandidieren, eine Spitzenkandidatin bzw. ein Spitzenkandidat — also jemand, der bereit ist, vier Jahre lang Gemeinderatsarbeit zu leisten — befindet sich aber nicht darunter. — (jüg)

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