„Geschichten von Flucht und Hilfe“ — über „Grüningers Fall“
„Geschichten von Flucht und Hilfe“ — über „Grüningers Fall“
Konstanz. Der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger rettete in den Jahren 1938/1939 hunderten von jüdischen Flüchtlingen das Leben. Er mußte dazu seine Amtspflichten umgehen, die ihn gezwungen hätten, Flüchtlinge zurück über die deutsche Grenze zu schicken. Grüninger verhindert persönlich Abschiebungen, fälscht Statistiken und hilft persönlich dabei, Flüchtlinge über die Grenze in die Schweiz zu bringen. Diese Fluchthilfe veranlaßte die Schweizer Behörden, Paul Grüninger fristlos zu entlassen. Die scheinbar neutrale Schweiz hat während der Herrschaft der Nazis in Deutschland mehr als 100000 Menschen jüdischer Herkunft an ihren Grenzen abgewiesen oder nach gelungener Flucht zurück nach Deutschland abgeschoben — in den fast sicheren Tod.
Der Polizeihauptmann Grüninger war einer der wenigen, ganz sicher der einzige Repräsentant des Schweizer Staates höheren Rangs, die sich gegen diese menschenverachtenden Praktiken auflehnten. Seine Aktivitäten kosteten ihn schließlich nicht nur die Stellung, der Staat erkannte ihm auch die Pension ab und verurteilte ihn 1940 gerichtlich. Bis zum heutigen Tag hat sich die offizielle Schweiz geweigert, Grüninger zu rehabilitieren.
Der Schweizer Autor Stefan Keller hat über das Schicksal dieses bemerkenswerten Menschen und außerordentlichen Polizisten lange recherchiert. Die Ergebnisse hat er Ende letzten Jahres in einem Buch veröffentlicht. Dieses Buch hat nun endlich dazu geführt, daß „Grüningers Fall“ — so auch sein Titel — in der Schweiz offiziell wieder aufgenommen wurde.
Der Autor liest daraus am Dienstag, 22. Februar, um 20.00 Uhr in der Infokneipe im Kulturladen. Die Veranstalter erheben einen Unkostenbeitrag von 5 Mark. — (jüg)