Heft 6 vom 17.03.1994 6/6 scan 2026-07-31

FrauenStreikTag



FrauenStreikTag

Von Frauenstreik war in Konstanz nicht viel zu bemerken, hatten doch die Gewerkschaften „nur“ zu einem Frauenprotesttag aufgerufen und damit den meisten Frauen die Möglichkeit genommen, ihre Erwerbsarbeit niederzulegen. Als Frauenprotesttag war der 8. März in Konstanz aber durchaus gelungen. 20 Fraueninitiativen hatten dazu aufgerufen, und daß einiges los sein würde an diesem Tag zeigte sich schon morgens um zehn Uhr am ersten Treffpunkt K9. An vielen Ständen überall in der Stadt zeigten Frauen, wo sie der Schuh drückt. „Die Wiederherstellung eines großen Deutschland findet auf Kosten der Schwachen, der Armen und auf Kosten von Frauen statt“, heißt cs im Streikaufruf. Aber auch altbekannte Forderungen haben von ihrer Aktualität nichts verloren: Immer noch verdienen Frauen 30% weniger als Männer, ist Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung, gibt es den unsäglichen Paragraphen 218. Die Frauengruppen nannten einige Zahlen für Konstanz. 8,2 Prozent der Frauen sind arbeitslos, gegenüber 7,5 Prozent Männern. 60% der Menschen, die von Sozialhilfe leben müssen, sind Frauen. Es fehlen Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Zuschüsse für Initiativen zugunsten von Frauen sind von Kürzungen bedroht. Ein Frauenhaus fehlt trotz jahrelanger Bemühungen immer noch. Das Frauenunterdrückung international ist, kam am Stand von amnesty international und vom Weltladen zum Ausdruck. Unter dem Motto „Frauen schlagen Krach“ trafen sich die Protestierenden um 17 Uhr auf der Marktstätte. Nachdem Frauen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen ihre mit viel Beifall begrüßten Forderungen vorgetragen hatten, formierte sich ein Demozug durch die Innenstadt. Dieser zog quer durchs Kaufhaus Hertie, um die Verkäuferinnen zu grüßen, die dort am FrauenStreikTag arbeiten mußten und gleichzeitig gegen den verkaufsoffenen Donnerstag zu protestieren, an dem diese Frauen bis 20.30 Uhr arbeiten müssen.

Wie immer, wenn Frauen ihre Rechte fordern, gerieten auch diesmal Männer in Panik. An der Uni wurde ein Flugblatt verbreitet, in dem unverhohlen zum Mord an Frauen aufgerufen wurde. Neben der Forderung, gegen das „linke Gesocks“ mit Baseballschlägern vorzugehen, „zierte“ das Machwerk ein Grabstein, auf dem „Emanze“ am 8.3.94 begraben wurde. Die Frauen an der Uni nahmen das Flugblatt zum Anlaß um zu verkünden: „Wir wissen, warum wir streiken!“. — (db)

Linksrhein ist ein Dienst von Christof Mainberger in Konstanz und erhebt keine personenbezogenen Daten.