Heft 7 vom 31.03.1994 6/7 scan 2026-07-31

Nicht gewählt

Berichtet und kommentiert:


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Nicht gewählt

In Tübingen war die DKP seit Jahren im Gemeinderat vertreten, nach den letzten Kommunalwahlen mit zwei Mandaten. Nachdem der DKP eine Kandidatur als DKP nicht mehr möglich/sinnvoll erschien und die Bemühungen um das Zustandekommen einer linken Liste scheiterten, bemühte sich Gerhard Bialas, seit vier Amtsperioden Stadtrat der DKP, um eine Kandidatur bei der Alternativen und Grünen Liste Tübingen. Vorstand und Fraktionsmitglieder der AL-Grünen befürworteten, wenn auch knapp, eine solche Kandidatur; bei der Wahl der Kandidaten für den Kreistag, in dem Gerhard Bialas auch bisher schon vertreten ist, wurde er (wenn auch auf den letzten Platz und noch nicht endgültig, da die Wahl angefochten wird) von der Kreismitgliederversammlung der Grünen gewählt.

Nun hat die Mitgliederversammlung der AL-Grünen Tübingen am 23. März in einem Meinungsbild die Kandidatur Bialas abgelehnt: nur drei AL-Mitglieder befürworteten seine Bewerbung, 22 lehnten sie ab, sieben enthielten sich; Bialas zog daraufhin seine Kandidatur zurück.

Die AL-Grünen sahen vor allem in der DKP-Mitgliedschaft von Gerhard Bialas, der nicht bereit war, seinen bisherigen politischen Auffassungen abzuschwören, ein Hindernis; Differenzen in der praktischen Politik im Tübinger Gemeinderat spielten ebenfalls eine Rolle (Bialas wolle „als Populist“ immer noch mehr Schulden im Kommunalhaushalt, war ein Vorwurf), obwohl hier die gemeinsame bisherige Praxis im Gemeinderat von einigen Grünen positiv bewertet wurde.

Die Bewerbung von Gerhard Bialas hatte bundesweite Beachtung gefunden: die „Süddeutsche Zeitung “ stellte ihn in einem ausführlichen Porträt vor.

Schade, daß die AL-Grünen sich kein Herz fassen konnten — wie umgekehrt Gerhard Bialas es getan hat. Eine Chance, zu signalisieren, daß parlamentarischer Widerstand gegen rechte und konservative Politik sehr breit angelegt werden kann, wurde damit vertan. — (alk)

Quelle: Tagblatt, 25. März 1994

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